INTEGRAL WORLD: EXPLORING THEORIES OF EVERYTHING
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Ray Harris Ray Harris is a frequent contributor to this website. He has written articles on 9/11, boomeritis, the Iraq war and Third Way politics. Harris lives in Australia and can be contacted at: rharris6@bigpond.net.au.



Wir sehen gerade die Wiederkehr der Tyrannei der Religion. Wir müssen ein für alle Male die Aufgabe der Aufklärung vervollständigen. Erst wenn die Aufklärung fest etabliert ist, können wir uns aufwärts zu einer größeren Vision der Menschheit bewegen."

WAS IST ALL DAS AUFHEBEN
ÜBER DIE KARIKATUREN ?

Ray Harris

Ein Fries von Mohammed im Obersten Gerichtshof in Washingt

Eine oberflächliche integrale Analyse der gegenwärtigen Krise wegen der Karikaturen Mohammeds würde sich vielleicht auf die Spiraldynamik berufen und über den Zusammenprall von roten, blauen und grünen Wertememes reden. Das zu tun ist einfach. Eine tiefere integrale Analyse muss jedoch eine genaue und wahrhaftige Analyse vielfältiger Sichtweisen zusammenbasteln. Ja, Wilbers Quadrantensystem hilft uns zu verstehen, dass es objektive, subjektive, äußere und innere Perspektiven gibt. Wilber ist sogar noch weiter gegangen und spricht von acht Perspektiven und ersten, zweiten und dritten usw. Personenperspektiven und so weiter.

All das ist gutgemacht und in Ordnung, es ist jedoch tatsächlich bedeutungslos, wenn wir nicht sowohl wahrhaftig als auch genau gegenüber jeder dieser Perspektiven sind. Wilber ist kritisiert worden, weil er die Sichtweisen von anderen falsch repräsentiert hat, und er ist sicherlich aufgebracht bei der Behauptung, dass andere seine Sichtweisen falsch repräsentieren.

Und das ist im wesentlichen das Problem mit den Karikaturen – Missverständnis. Deshalb ist ein Teil der Lösung für dieses Problem ein weiteres Verständnis. Mein früherer Artikel ´Der Mythos des Islam als einer Religion des Friedens` beabsichtigte, Information zu vermitteln, um damit zu beginnen, ein gewisses Verständnis für den Islam zu gewinnen.

EINE KARTE DES KONFLIKTS

Ich sehe eine Ökologie von Ideen. Ich habe eine Karte in meinem Kopf, die Zeitlinien von Ideen mit anderen Zeitlinien verbindet. Es ist eine bewegliche Reisekarte – ich wende sie jedes Mal an, wenn ich neue Sachen erfahre. Sie ist wirklich eine Karte von Verbindungen und Meta-Verbindungen. Da gibt es überhaupt keine definierten Territorien, das Konzept vom Territorium ist selbst eine Idee – so wie es Wilbers AQAL-Karte ist. Kann ich vermuten, dass die Wirklichkeit weniger eine saubere Box mit vier Quadranten als vielmehr wie ein Ökosystem ist, das komplex und ständig in Bewegung ist ? Dieser gegenwärtige Konflikt ist ein Mikro-Umgebungs-Bruch innerhalb einer etwas weiteren Mikro-Umgebung innerhalb einer weiteren Mikro-Umgebung (doch dann hat diese ökologische Metapher ihre Grenzen, wenn wir die Metapher der multidimensionalen Mathematik und Topologie benutzen könnten, doch die Ökologie kann es machen).

Eine dieser Zeitlinien beginnt also mit Taqi al-Din Ibn Taymiyya (1263-1328), einem islamischen Juristen der Hanbali-Schule. Ich werde später zu ihm zurückkommen. Lassen Sie uns einen Zeitsprung vorwärts in die Gegenwart machen und zu einer Reihe von ziemlich banalen Karikaturen, die im September 2005 in der dänischen Zeitung Yllands Posten veröffentlicht wurden. Die Motivation für die Veröffentlichung dieser Karikaturen war die Antwort auf eine andere Kontroverse. Ein Herausgeber eines Kinderbuches über das Leben von Mohammed konnte keinen Illustrator finden, weil viele Illustratoren Repressalien von Muslimen befürchteten für den Bruch eines Tabus bezüglich der Darstellung ihres Propheten, besonders nach der Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh. Yllands Posten entschied sich dazu, dieses zu einem Thema von Pressefreiheit zu machen und lud Karikaturisten ein, Karikaturen von Mohammed zu zeichnen, um zu sehen, wie viele wenn überhaupt eine, passen würden. Yllands Posten sagte nicht, dass diese Karikaturen kritisch sein sollten, das wurde den Karikaturisten überlassen. Viele Karikaturisten antworteten nicht, doch zwölf taten es. Von den zwölf Karikaturen waren zwei aus Sicht von Yllands Posten tatsächlich provokativ, doch es gab eine, die eher stereotyp war, dies ist die eine mit der Bombe in Mohammeds Turban.

Die Publikation der Karikaturen bewirkte eine kleine Kontroverse und eine mäßige öffentliche Debatte über die Umstände im Zusammenhang mit der Publikation. Der dänische muslimische Komiker Omar Mazouk empfand die Karikaturen nicht als offensiv, er empfand sie dagegen als ziemlich banal und albern. Mazouk ist für seine Routine bekannt, sich über Religion lustig zu machen. Der bekannte islamische Gelehrte Dr. Tariq Ramadan war zu jener Zeit ebenfalls in Dänemark und er war ähnlich unberührt von den Karikaturen. Einige dieser Karikaturen wurden dann im Oktober, während des Ramadans, in einer kleinen ägyptischen Zeitschrift, al Fagr, wieder gedruckt – in donnernder Stille.

Warum also die Reaktion und warum jetzt ? Es stellte sich heraus, dass eine Gruppe von radikalen Imamen, die mit der Muslim-Bruderschaft verbunden sind, entschied, das Thema im Mittleren Osten zu politisieren. Eine Fatwa wurde von Scheich Yussuf al-Qaradawi erlassen, der einen Anteil von al-Jazeera hat. Um nicht ausgestochen zu werden, schlossen sich eine rivalisierende islamistische Gruppe, Hizb al-Tahrir al-Islami (islamische Freiheitspartei) und Ghuraba (Bewegung der im Exil Lebenden) dem Geplänkel an. Doch die Karikaturen selbst waren nicht genug. Diese radikalen Islamisten nahmen auch drei andere Karikaturen mit hinein, eine des Propheten, wie er von einem Hund belästigt wird, eine von ihm, die ihn beschuldigt, ein Pädophiler zu sein, und ein schlecht reproduziertes Foto eines Mannes als Schwein verkleidet, von dem sie behaupteten, es solle den Propheten meinen ( dies war tatsächlich ein Foto von Jacques Barrot, einem französischen Bauern, der zum örtlichen Wettbewerb des Schweine-quiekens ging [1]). Diese Islamisten behaupteten auch fälschlicherweise, dass die Dänen Kopien des Korans verbrannt hätten, und das ist jetzt Teil der Folklore dieser Kontroverse geworden. Dann beschloss die Ba´athist-Partei von Syrien, die Proteste zu ihrem Vorteil auszunützen, besonders im Libanon, wo eine Kirche der Maroniten angegriffen wurde. Der Iran schloss sich ebenfalls an, indem er die Karikaturen als Ausrede benützte, um die anti-israelische und anti-amerikanische Stimmung aufzuheizen.

OK, das ist also eine dieser Zeitlinien. Eine andere wichtige Zeitlinie ist tatsächlich eine Sammlung von verwandten Linien, die sich kreuzen und ihren Brennpunkt an etlichen Punkten in der europäischen Geschichte finden. Einer dieser Brennpunkte ist Voltaire, der die Bedeutung der Freiheit von Ausdruck und Vernunft artikulierte. Doch das geht sogar weiter zurück zu der Zeit, als die jüdisch-christliche Tradition die griechisch-römische Tradition überwand und Europa in das Dunkle Zeitalter (Mittelalter) stürzte. Als Europa die Reichtümer der griechisch-römischen Tradition wiederentdeckte, unternahm es einen Kampf der Selbstbefreiung aus den Beschränkungen der Kirche – die Renaissance und die Aufklärung. Die griechisch-römische Tradition schließt die Konzepte von Satire und Parodie mit ein. Das griechische Theater machte sich oft lustig über die Götter und die griechische Gesellschaft. Tatsächlich ist das Wort Satire mit dem griechischen Wort Satyr verwandt, und die Spiele wurden Satyrspiele genannt. Diese Tradition der Parodie und Satire wurde eine mächtige Waffe gegen die Absurditäten der Kirche , und die europäische Kultur hat eine lange Tradition der satirischen Karikatur. Und das hat der Nahe Osten auch. Die Geschichten über Scheich Nasruddin machen sich ebenfalls über religiösen Bombast lustig, doch diese Linie führt uns zu Taymiyya zurück, zu dem wir uns jetzt wenden.

Tatsache ist, dass die meisten Muslime durch die Karikaturen nicht angegriffen wurden. Die beleseneren Muslime werden wissen, dass das Verbot gegenüber Abbildungen des Propheten in Disput steht und zu verschiedenen Zeiten nicht beachtet wurde. Es gibt eine Tradition von Abbildern des Propheten, einige von ihnen wurden von muslimischen Herrschern beauftragt und einige von ihnen sind in Museen in muslimischen Ländern ausgestellt. [2]

Die Regelung gegenüber Abbildungen des Propheten basiert nicht auf dem Koran. Sie erscheint etwa 150 Jahre nach seinem Tod in einer umstrittenen Hadith und sie taucht auf als Teil einer Debatte über Abbildungen überhaupt. Diese Debatte kam auch zu dem Schluss, dass jede darstellende Kunst auf menschliche Arroganz hindeutet, ein Versuch von einfachen Sterblichen, die Großartigkeit von Allahs Schöpfung darzustellen. So wurden sogar Malereien von Natur von den Orthodoxen als sündhaft angesehen. Nichtsdestoweniger hat die islamische Kultur eine Tradition von darstellender Kunst – Skulpturen, Malerei und im traditionellen Kunsthandwerk – gewöhnlich von den wohlhabenden Eliten in Auftrag gegeben.

Dies war auch ein Argument bezüglich der Beziehung des Menschen zu Allah und Seiner Schöpfung. Orthodoxe Muslime meinen, dass es der Zweck des Menschen sei, Allah zu ehren. Islam bedeutet Unterwerfung. Sie glauben, dass es arrogant und lästerlich vom Menschen sei, sich auf irgendeine Weise emporzuheben. Das westliche Ideal des Humanismus ist verhasst für orthodoxe Muslime. Es ist ein Hauptbeispiel dafür, dass sich der Mensch in Arroganz zum Status Allahs erhebt. Es gibt eine Reihe von Zeitlinien, die von diesem zentralen Argument stammen, einbezogen die Zurückweisung von Demokratie und Menschenrechten.

Ibn Taymiyya Und DIE Salafi

Taymiyya ist Teil eines reaktionären Trends im Islam. Als der Islam nicht-arabische Länder eroberte, traf er auf nicht-arabische Ideen. Mohammed hat tatsächlich gesagt, dass Muslime ihre Kenntnis bis nach China ausweiten sollten – und sie haben es so mit einigem Geschick getan. Von dem zoroastrischen sasanischen Reich haben sie Wissen absorbiert, und sie haben ebenfalls einen beträchtlichen Teil der griechisch-römischen Tradition des byzantinischen Reiches absorbiert. Viele der großen muslimischen Philosophen wurden, wie ihre christlichen Gegenstücke auch, von den Griechen inspiriert, besonders Plato und Aristoteles – Ibn Arabi, Ibn Rushd, Ibn Sina, Al Ghazali. Die islamische Zivilisation trug wirkungsvoll die Fackel der hohen greco-romanischen Kultur, bis sie während der Renaissance an die Italiener weitergegeben wurde. Die islamische Kultur erreichte Entdeckungen und Verbesserungen in einer Reihe von Disziplinen – doch diese waren hauptsächlich Entwicklungen von greco-romanischen Entdeckungen, die traditionelle arabische Kultur hat eigentlich sehr wenig zu dieser Mixtur beigetragen.

Etwa um das zehnte Jahrhundert herum veränderte sich das politische Klima im Islam. Wie alle Reiche erfuhren, bringt Expansion eine Ladung von fast unlöslichen Problemen mit sich. Dies ist ein Schlüssel zum Verständnis der aktuellen Krise. Expansion schließt notgedrungen das Antreffen von anderen Kulturen mit ein, und diese Kulturen können Ideen und Werte einbringen, die mit der ursprünglichen Kultur in Konflikt geraten. Das römische Reich hatte damit zu kämpfen, besonders bei seinem Zusammentreffen mit den Juden. Das römische Reich war allerdings tolerant. Es gestattete vielen Ideen und Religionen, etwas Raum innerhalb des Reiches einzunehmen. Ausnahmen entstanden, wenn verschiedene Religionen damit begannen, entweder die republikanische Religion oder die herrschende Gewalt zu bekämpfen. Die neuere historische Forschung hat gezeigt, dass das Christentum, einer der berühmtesten Herausforderer, nicht so sehr verfolgt wurde, wie es die christliche Überlieferung vermuten lässt, und darüber hinaus hatten Christen einen Kult des Märtyrertums sehr ähnlich dem moderner Muslime – sie provozierten die Römer, um genau wie Jesus Märtyrer zu werden, es hatte ein Ende in sich selbst.

Es gibt beträchtliche Beweise dafür, dass Reiche kollabieren, wenn sie damit aufhören, offen und flexibel zu sein. Das römische Reich kollabierte, nachdem es christianisiert worden war. Während die Gründe für den Kollaps komplex sind, war ein Hauptfaktor die selbstmörderische Zurückweisung von Vielförmigkeit unter der Leitung von fanatischen Priestern mit dem Ziel, die bekannte Welt von Ketzerei zu befreien.

Eine ähnliche Stimmung begann, die islamische Gesellschaft zu infiltrieren, und Taymiyya gab der wachsenden Fremdenfeindlichkeit Ausdruck. Er argumentierte, dass der Islam alle ungläubigen Ideen und jede Innovation, die nicht auf der Sunnah basierte, zurückweisen sollte.

“Die Religion des Islam dreht sich um diese beiden Prinzipien: Gott allein anzubeten und Ihn anzubeten durch das von Ihm Vorgeschriebene. Ihm wird nicht durch Innovation gedient...“

Diese Ideen wurden noch weiter entwickelt von Scheich Mohammed Abd al-Wahhab (1703-92), dem Begründer des Wahhabismus – oder wie sie sich selbst bezeichnen, die Salafi (Frommen). Hier sollten wir einen interessanten Kontrapunkt anmerken – Voltaire (1694-1778) war ein Zeitgenosse von al-Wahhab. Ein Denker repräsentiert die Ideale offener intellektueller Erforschung, auf der Vernunft begründet, und der andere repräsentiert ein Schließen der Erforschung, auf einer engen Interpretation des Glaubens begründet.

Die modernen Islamisten, die Menschen hinter den Protesten, sind die Erben der Salafi-Tradition. Ihre Kampagne gegen die Karikaturen ist nur ein kleines Gefecht in einem viel größeren Projekt – den Islam gegenüber der Korruption durch alle ungläubigen Ideen zu schützen und die Reichweite des Islams auszudehnen. Die Gefahr für alle Ungläubigen (nicht nur Europäer) ist, dass sie darauf vorbereitet sind, zu diesem Zweck zu töten und zu sterben – sie sind Eiferer. Sie sind auch vorbereitet zu lügen. Der Islam hat eine widersprüchliche Haltung gegenüber der Wahrheit. Einerseits lobt Mohammed die Ehrlichkeit, er macht aber auch Ausnahmen. Es ist erlaubt, in Zeiten des Krieges zu lügen und ein größeres Gut zu erlangen. Das Prinzip von al-takeyya erlaubt es einem Muslimen, einen Nichtmuslimen anzulügen, um den Glauben zu schützen. Natürlich hängt vieles an der Definition der ´Verteidigung des Glaubens´, einem Zeloten ist es gestattet, die merkwürdigsten Lügen zu erzählen, wenn das die Absicht ist, die Feinde des Islams zu bekämpfen. Darüber hinaus erlaubt dieses Prinzip einem Muslimen, seinen Glauben einem Ungläubigen gegenüber zu leugnen, solange er aber zu seinem Glauben im Herzen hält. Es ist einem Muslimen erlaubt, seine Hand auf den Koran zu legen und vor einem Gericht der Ungläubigen zu versprechen, die Wahrheit zu sagen – und dann zu lügen. Das ist eine Version des Fingerkreuzens hinter dem Rücken. Es gibt keinen Zweifel, dass die radikalen Islamisten, die in Bezug auf das Verbrennen des Korans und die Falschrepräsentation der Bilder vom Propheten gelogen haben, sich selbst als geschützt betrachten, weil sie sich selbst im Jihad engagiert sehen, und eine solche Propaganda ist eine legitime Kriegstaktik.

DER schizophrenE Islam

Es gibt eine Überlieferung in irgendeiner Hadith, die besagt, dass Mohammed auf seinem Sterbebett zu Umar gesagt habe, dass nur eine Religion in Arabien existieren sollte. Umar benützte das dann als Vorwand, um alle Nicht-Muslime aus dem Land zu vertreiben. Saudi-Arabien benützt diese Überlieferung immer noch, um das Verbot der öffentlichen Ausübung jeder vom Islam verschiedenen Religion zu rechtfertigen. Sie wird auch zur Rechtfertigung dafür benützt, alle Nicht-Muslime von den Städten Mekka und Medina fernzuhalten (mit seltenen Ausnahmen).

Der Islam ist eine Religion der Widersprüchlichkeiten. Eine der dramatischsten davon ist der Unterschied zwischen dem frühen Mohammed der Mekka-Zeitspanne und dem späteren Mohammed der Medina-Zeitspanne. Der Mekka-Mohammed spricht von Frieden und Toleranz. Als er von den Einwohnern Mekkas dafür verspottet wurde, ein falscher Prophet zu sein, zwang er seine Anhänger, nicht zu reagieren.

”und als die Nichtglaubenden über sie herziehen, antworten sie: Frieden.”

Der frühere Mufti von Marseille, Soheib Bencheikh, hat argumentiert, dass Muslime nicht gegen die Veröffentlichung der Karikaturen protestieren sollten, weil der Prophet seine Anhänger gezwungen hat, Spott zu ignorieren.

Der tolerante Mohammed von Mekka ist irgendwie verschieden von dem kriegerischeren Mohammed der Medina-Zeitspanne. Nachdem er von den jüdischen Stämmen von Medina zurückgewiesen worden war, erfand er das Konzept des Jihad oder des gerechten Krieges. Nach Jahren der Gewalt besiegte er schließlich die Stämme von Mekka. Und was tut er dann ? Er macht sich daran, systematisch alle Spuren der traditionellen Religionen der Region auszulöschen. Gemäß einigen Hadiths ist der Mohammed dieser Zeitspanne nicht länger tolerant oder friedvoll. Viele Nicht-Muslime scheinen über diese Zeitspanne in seinem Leben hinwegzusehen. Sie ignorieren auch das von den Kameraden gesetzte Beispiel, der Männer, die Mohammed persönlich kannten und die später die ersten vier Kalifen wurden. Diese Männer führten den gewaltsamen Prozess der Konvertierung aller Stämme zum Islam fort, indem sie alle Nicht-Muslime vertrieben und danach andere Länder überfielen. Der bösartige Antisemitismus der radikalen Islamisten stammt aus dieser Zeitspanne, in der Juden als geborene Verräter betrachtet wurden.

Dieser Widerspruch innerhalb des Islams hat den Muslimen kein Ende der internen Konflikte beschert. Wie kann man den früheren friedlichen Mohammed mit dem Jihadisten der späteren Zeitspanne versöhnen ? Nun, mit den größten Schwierigkeiten. Der gemäßigte Muslim versucht, den späteren Mohammed mit dem früheren Mohammed zu mäßigen. Sie werden immer die früheren Passagen zitieren und versuchen, einen friedvollen Propheten zu konstruieren. Das Problem damit ist, dass es eine ziemliche Menge an verdrehter Argumentation hervorruft und dass es das Prinzip der Außerkraftsetzung ignoriert, das besagt, dass die späteren Passagen notwendigerweise die früheren Passagen modifizieren oder ´außer Kraft setzen´.

Denker wie Taymiyya und Wahhab betonen die späteren Passagen, und ich muss sagen, dass ihr Argument mehr mit der Logik vereinbar ist. Deshalb zieht ihre Sichtweise immer noch Anhänger an – es macht tatsächlich mehr Sinn. Das nur, wenn man akzeptiert, dass Mohammed ein wahrer Prophet war.

Daher hat man im wesentlichen zwei Islame – einen Islam, der den früheren Mohammed betont, und einen Islam, der den späteren betont. Hier liegt nun der verwirrende Teil; das Prinzip des al-takeyya erlaubt dem ´späteren´ Muslimen zu behaupten, er sei ein Gemäßigter.

Verwirrt ? Nicht überraschend. Viele Nicht-Muslime wissen einfach nicht, an wen oder was sie glauben sollen. Diese Situation wird durch die Tatsache verschlimmert, dass es keine Zentralautorität im Islam gibt. Man kann Passagen aus dem Koran oder den Hadith herauspicken und aus einer breiten Reihe von gesetzlicher Auslegung etwas auswählen, um den Islam sagen zu lassen, was man auch immer ihn sagen lassen möchte – sehr ähnlich der Situation im Christentum. Es gibt viele Christi und es gibt viele Mohammeds.

DIE WESTLICHE ANTWORT

Es ist interessant zu sehen, dass viele im Westen versuchen, die Schuld für dieses Fiasko an den Hacken der Zeitungen zu platzieren, die diese Karikaturen veröffentlichten. Es gab viele Kommentare zur Redefreiheit, die auch die Verantwortung mit sich getragen haben, Urteilskraft auszuüben und nicht zu versuchen, mutwillig zu beleidigen. Ich stimme zu. Redefreiheit ist nicht absolut. Doch das verfehlt unglücklicherweise glorios und dramatisch den Punkt.

Das Problem war niemals, dass die Karikaturen veröffentlicht wurden. Das Problem ist, dass wir, der Westen, existieren. Der radikale Islamist kennt die Lösung für dieses Problem. Für sie ist es so klar und hell wie das Sonnenlicht. Wir müssen zum Islam konvertieren. Wir müssen verschwinden.

Manchmal sind die radikalen Islamisten entwaffnend aufrichtig dem gegenüber. Ein australischer Muslim, Wassim Doureihi, ein Sprecher für Hizbt ut-Tahrir, sagte vor kurzem:

Es gibt keine Möglichkeit für die harmonische Koexistenz zwischen dem Islam und dem Westen, weil es einen fundamentalen Konflikt gibt. Letztlich muss einer die Oberhand gewinnen..

Angesichts dieser brutalen Forderung wissen sie überhaupt nicht, wie sie antworten sollen. Der Westen versucht, in einen Dialog einzutreten und versucht zu beschwichtigen, doch das meiste davon versucht sich zu entschuldigen und versucht, den Fehler in der westlichen Gesellschaft zu finden. Es muss etwas sein, was wir ihnen antun, das sie zornig macht. Ja, was die Islamisten zornig macht, ist, dass wir den Islam zurückweisen. Es ist alles so verheerend offensichtlich – bekehrt euch oder seht ihrem Zorn entgegen.

Post - kolonialistische Schuld

Ein grundlegendes Missverständnis von post-kolonialen Studien hat eine Anzahl von progressiven Westlern mit einem ziemlich großen Schuldkomplex zurückgelassen, und zwar wegen der Ungerechtigkeiten, die an den eingeborenen Kulturen begangen wurden als ein Resultat des europäischen Kolonialismus. Die Amerikaner werden davon weniger bedrückt, weil sie immer noch in großem Maß eine imperialistische Macht sind, doch es bedrückt noch die ´liberale´ Politik in jenem Land.

Es gibt zwei umfangreiche Probleme mit der post-kolonialistischen Schuld:

  1. Sie konzentriert sich auf die Sünden des europäischen Kolonialismus und ignoriert die Tatsache, dass Kolonialismus die Funktion aller imperialistischen Mächte ist, einschließlich des islamischen Imperialismus.
  2. Sie ignoriert die Tatsache, dass die kolonialistische Stufe Teil eines Entwicklungs-Spektrums ist von Stammesgesellschaften zu frühen Staatsgesellschaften zur imperialistischen Macht zur post-imperialistischen Macht.

Wenn das 20. Jahrhundert sich um den europäischen Einfluss im Mittleren Osten dreht, dann dreht sich das frühe 19. Jahrhundert darum, dass Europa schließlich die Fesseln des muslimischen Imperialismus abwirft. Der zweite serbische Aufstand von 1817 erreichte schließlich den Sieg über die osmanischen Muslime. 1827 gewannen die Griechen endlich ihre Unabhängigkeit nach einem erbitterten Krieg, der sechs Jahr andauerte. Nicht viele Menschen scheinen zu verstehen, dass der Islam über Jahrhunderte versuchte, Europa zu erobern. Die osmanischen Muslime versuchten zweimal, Wien zu erobern, zuerst 1529 und wieder 1683. Marokkanische Muslime hatten Spanien und Sizilien erobert und versuchten Einfälle in Italien, Deutschland und Frankreich. Während dieser langen Zeitspanne wurden etwa eine Million Europäer in die Sklaverei gezwungen. Könnte es einen guten Grund dafür geben, weshalb die Europäer ein kulturelles Misstrauen gegenüber dem Islam hegen ?

Wo bleiben die post-kolonialistischen Kritiken des islamischen Imperialismus ? Die Krisen in Nordafrika und in Darfur stammen direkt vom islamischen Imperialismus ab. Die Janjaweed, die jetzt schwarze Afrikaner in Darfur verfolgen, sind die Nachkommen von arabischen Sklavenhändlern. Sie führen eine Jahrhunderte alte Praxis der Belästigung fort.

Einige der Probleme in Indien und Südostafrika stammen ebenfalls von einer Zeitspanne des islamischen Kolonialismus ab. Da jetzt die europäischen Kolonialmächte aus der Region abgezogen sind, tauchen die vom islamischen Imperialismus verursachten Spannungen auf. Hindu – Nationalisten glaubten immer, sie mussten zwei imperialistische Mächte entfernen, die Briten und die Muslime (etwa 80% der Hindus sind nie konvertiert). Die Konflikte in Indonesien, in Ost-Timor und nun in West-Papua sind Beispiele für den Ehrgeiz javanischer Muslime in der Region. West-Papuas alleinige Verbindung zu Indonesien ist, dass es eine ehemalige holländische Kolonie war. Die Papuaner sind ethnisch von den Indonesiern verschieden. Die Spannungen in Thailand kommen von muslimischen Überfällen in buddhistische Länder.

Doch irgendwie haben progressive Westler den Schluss gezogen, dass der Islam ein Opfer des westlichen Kolonialismus sei. Dies gründet auf einer selektiven Sichtweise auf die Geschichte, die magischerweise nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zerfall des osmanischen Reiches begann. Es ist eine Sicht, die vergisst, dass der Sieger die Kriegsbeute nimmt, und es vergisst besonders, dass die islamische Welt genau nach diesem Prinzip lebt. Die Regeln für den Jihad, die als Heiligtum in der Sharia eingeschlossen sind, erlauben Muslimen, ein besiegtes Volk in hohem Maße auszuplündern und zu versklaven. Was die europäischen Mächte getan haben, war die Schaffung neuer Länder und der Versuch, stabile Regierungen einzusetzen. Hier ist nicht der Raum, um auf die komplexe interne Politik der Region einzugehen, es genügt zu sagen, dass es eines der Ziele vieler radikalen Islamisten ist, den Nahen Osten wieder umzukehren zu etwas, was er eigentlich sein sollte – ein pan-arabischer islamischer Staat. Dies würde die Auflösung von etlichen Ländern bedeuten, einschließlich Israels und Palästinas.

Der Taschenspielertrick, durch den dem Westen die Schuld zugeschoben wurde, ist gelungen, weil der Islam immer eine Überlieferung in der Opferrolle hatte. Zuerst wurde Mohammed von den Polytheisten in Mekka verfolgt und ins Exil gezwungen, dann wurde er von den Juden in Medina verfolgt. Nachdem er Mekka erobert und einen muslimischen Staat errichtet hatte, wurde der Islam von inneren Feinden verfolgt. Als dann christliche Länder, einschließlich der Stadt Jerusalem, erobert waren, wurden sie von den Kreuzrittern verfolgt, die die Rückeroberung versuchten. Noch heute benützen Islamisten den Ausdruck Kreuzritter, um sowohl auf Europäer als auf Christen als Verfolger anzuspielen. Diese Überlieferung der Verfolgung passt ziemlich sauber in das Schuldbekenntnis einiger europäischer Post-Kolonialisten. Natürlich haben sie Recht ! Wir haben sie verfolgt ! Außer dass die Geschichte eine völlig andere Story erzählt – von einem aggressiven, expansionistischen und verfolgenden Islam.

Und was ist mit der Armut im Nahen Osten ? Es ist vielleicht wieder zu komplex, um in die Tiefe zu gehen, doch wir können abgekürzt sagen, dass die Wirtschaft des Nahen Ostens ursprünglich auf Handel und Sklaverei basierte. Als die Europäer die muslimisch kontrollierten Handelsrouten übernahmen ( wie die Muslime vorher die byzantinischen und persischen Handelsrouten übernommen hatten) und die islamischen Länder zwangen, den Sklavenhandel zu beenden, brach die Wirtschaft tatsächlich zusammen. Das osmanische Reich hatte die Gelegenheit, die europäische industrielle Revolution zu übernehmen, doch interne Bedenken wegen der Technologie und den Ideen der Ungläubigen hinderte es daran. An der Spitze steht jedoch die schlichte Tatsache, dass das meiste Land im Nahen Osten unfruchtbar und arm an Bodenschätzen ist. Wenn da nicht das Öl wäre, würden sich viele muslimische Länder in fürchterlichem Zustand befinden, und es ist eine schlichte Tatsache, dass die muslimische Ölindustrie ohne die westliche Technologie gar nicht existieren könnte. Wenn da nicht die westlichen Investitionen wären, würde sich der Nahe Osten in einer schlimmeren Position befinden.

Das bringt uns nun zu der Tatsache, dass die imperialistische Stufe für die Entwicklung unvermeidlich ist. Zu verschiedenen Zeiten in der Geschichte haben Gesellschaften genügend Überfluss erreicht, um eine massive expansionistische Phase zu unternehmen. Die Insel Bali ist hinduistisch wegen der Expansion von Hindu-Reichen über die Grenzen Indiens hinaus. Die Kulturen von Kambodscha, Vietnam, Laos, Korea und Japan wurden durch den Einfluss Chinas geformt, Japan hat der chinesischen Kultur sehr viel entnommen. In Südamerika wuchsen die Azteken und übernahmen viele Stammeskulturen.

Jared Diamond hat argumentiert, dass die natürlichen Vorzüge Europas, einschließlich der Geografie, bedeuteten, es sei unvermeidlich gewesen, dass es erfolgreich war, während andere versagten. Entschuldigt dies die Exzesse des westlichen Kolonialismus ? Nein – es besagt jedoch, dass Europäer weder besser noch schlimmer waren als andere imperialistische Mächte. Im übrigen kann man als Kontrast untersuchen, wie das osmanische Reich auf dem Balkan gearbeitet hat, dies schließt die Versklavung von Jungen ein, um die Abteilungen der Janitscharen zu formieren, und Mädchen wurden als Dienstboten oder Konkubinen in die Harems der Wohlhabenden geschickt.

Die Welt kommt jetzt in eine post-imperialistische Stufe hinein. An einigen Stellen kracht der natürliche expansionistische Impuls gegen die Tatsache eines begrenzten Globus. Die europäische Expansion war global und führte zur Preisgabe aller Kulturen unter ihren Einfluss. Es gibt sehr wenige Kulturen, die nicht substantiell betroffen waren. All dies war unvermeidlich.

Was diejenigen, die unter dem post-kolonialistischen Schuld-Syndrom leiden, erklären sollen, ist, wie dieser Prozess hätte vermieden werden können. Hier in Australien bleibt die Debatte über die Behandlung der eingeborenen Bevölkerung bei Bekundungen von Schuld und Vorwurf stecken, aber keiner der Aborigines würde tatsächlich gern so leben, wie seine Vorfahren es getan haben. Die Ureinwohner von Sydney lebten ein gefahrvolles Leben. Die ersten Siedler berichteten vom Hungertod unter den Aborigines, als die Fischvorräte im Winter ausgingen. Wie die ersten Siedler herausfanden, war die Sydneybucht nicht reich an Nahrungsquellen und konnte nur eine eingeborene Bevölkerung von einigen Tausend erhalten, und sogar dann war die Sterblichkeitsziffer hoch. Tatsache ist, dass jene Gruppen, die vom Kolonialismus betroffen waren, die Uhr nicht zurückdrehen wollten. Europäische Expansion hat klare Vorteile und Fortschritt gebracht. Das wahre Problem ist die Fortführung von Mustern der Vorurteile und Anpassungsfähigkeit. Der Karikaturen-Konflikt ist ein Symptom einer Unfähigkeit für einige Muslime, sich an die post-kolonialistische Wirklichkeit anzupassen. Es ist ein nutzloser Versuch, die Uhr auf eine romantisierte Vergangenheit zurückzudrehen.

der verrat der progressiven Muslime

Das Spektrum der Entwicklung, einschließlich des Spektrums der gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung, sagt uns, dass ein Großteil der islamischen Welt noch nicht in die Stufe der Moderne eingetreten ist. Die ideale Form islamischer Regierung ist das Kalifat. Es ist ein religiös-politisches autoritäres Regime, das eng mit den Monarchien von Gottes Gnaden verwandt ist. Es ist ein Modell, das in dem kaiserlichen System von China, den Rajas und Sultans von Indien und den Monarchien von Europa gefunden wird.

Es ist schwierig, einem solchen System Demokratie aufzuerlegen. Demokratie erhebt sich tatsächlich aus der natürlichen Entwicklung eines komplexen Satzes von Ideen und Werten. Demokratie kann nur gelingen, wenn ein Satz von bürgerlichen Tugenden etabliert worden ist. Redefreiheit ist zufällig eine jener bürgerlichen Tugenden. Wir können auch pluralistische Toleranz, offene Untersuchung, Zivilcourage, bürgerliche Mitwirkung, Wohlwollen und so weiter auflisten. Demokratie benötigt ebenso die Unterstützung durch andere Prinzipien und Institutionen – die Trennung von Religion und Staat, ein Staat, der auf weltlichen Prinzipien basiert ( eine Regierung, die keine Religion bevorzugt, beschützt alle Religionen), die Trennung von Staat und Gesetzgebung, ein System von bürgerlichen Institutionen, von öffentlichen Büchereien, Museen und Galerien zu Sport- und Hobby-Clubs zu einer freien und unabhängigen Presse – kurzum: die Schaffung einer bürgerlichen Gesellschaft.

Ich bin mir nicht sicher, wie viele Westler verstehen, wie sehr monolithisch die Religion in islamischen Gesellschaften ist, wie sehr sie gerade den öffentlichen Raum kontrolliert und die Schaffung einer bürgerlichen Gesellschaft beschneidet. Es gibt einen Glauben im Islam, dass der Mensch erschaffen wurde, um Allah anzubeten und zu gehorchen, und dass jede vom Menschen kommende Aktivität irgendwie arrogant und lästerlich ist. Es gibt keine starke Tradition der Literatur oder der freien Künste im Islam. Die Idee der Menschenrechte wird ebenfalls als blasphemisch bezeichnet.

Dennoch sind viele Muslime Progressive; Schriftsteller, Musiker, Stückeschreiber, Künstler und Intellektuelle, die versuchen, die muslimische Gesellschaft zu reformieren. Momentan agitieren islamistische Kräfte in Indonesien für die Einführung von drakonischen Zensurgesetzen, die die Redefreiheit für die kreative Klasse streng beschneiden sollen.

Es ist meine Sichtweise, dass viele Westler, die sich für progressiv halten, die progressiven Muslime verraten haben. Wie geschah das ? Es ist durch einen simplen prä/trans-Trugschluss entstanden. Der konservative Islam hat sich angepasst beim Gebrauch von progressiv klingender Rhetorik, um seine politischen Ziele einzurahmen. Sie spielen meisterhaft mit post-kolonialistischer Schuld, indem sie behaupten, sie seien die Opfer der westlichen imperialistischen Aggression; sie benützen das Argument der Menschenrechte, um die Einbeziehung von islamischem religiösem Recht als einem Grundrecht zu erlangen (Kanada trug sich mit dem Gedanken, Sharia-Gerichte als ein Parallelsystem zu dem bürgerlichen System einzuführen); und sie benützen multikulturelle Argumente, um ihre ausschließenden religiösen und kulturellen Praktiken zu verteidigen.

Das Problem ist jedoch, dass ihr Ziel völlig verschieden von dem der westlichen Fortschrittlichkeit ist. Die Linken sind dem alten arabischen Prinzip verfallen, dass ´der Feind meines Feindes mein Freund ist.´ Weil nämlich konservative Muslime in den USA Widerstand erfahren, umarmen naive Linke den konservativen Islam. Islamisten sind jedoch nicht wirklich gegen kulturellen und politischen Imperialismus – sie sind nur gegen westlichen Imperialismus. Sie sind ganz zufrieden damit, einen islamischen Imperialismus zu haben.

Eines der erschreckendsten Beispiele dieses Verrats ist die Unterstützung für die irakische Rebellion innerhalb der Sektionen der europäischen Linken, besonders der sozialistischen Linken. Es ist eine falsche Annahme, dass die Rebellen Freiheitskämpfer seien, die gegen die US-Okkupation Widerstand leisten. In Wahrheit ist diese Rebellion der Versuch von Sunniten, ihre traditionelle Autorität durch Gewalt und Einschüchterung wiederherzustellen. Vieles von dieser Gewalt ist gegen die Schiiten-Mehrheit gerichtet als ein Akt des politischen Drucks, um in der Regierung eine größere Mitsprache zu haben als ihre Anzahl es zulässt. Diese politische Gewalt hat der Regierung eine Menge Geld gekostet, das eigentlich für den Wiederaufbau des Iraks hätte verwendet werden sollen.

Progressive Muslime versuchen, eine bürgerliche Kultur aufzubauen, bei der die Redefreiheit zugelassen wird. Es ist bemerkenswert, dass TV-Talent-Shows im Nahen Osten enorm populär sind, der konservative Islam bemüht sich jedoch unentwegt, solche Shows zu verbieten. Reality-TV ist jedoch nur die Spitze des kulturellen Eisbergs. Es weitet sich zu ernsthafter Freiheit für Literatur und Presse aus.

Dennoch höre ich ständig, dass progressive Westler ihre Unterstützung für konservative muslimische Stimmen abgeben, ob es nun um das Thema des Tragens des Hijab geht (progressive Frauen tragen den Hijab nicht), oder um Sympathie für vermutete Verletzungen gegenüber dem Islam aus einer irregeführten kulturellen Sensibilität.

der verrat am zeitalter der vernunft

Wir scheinen in einem neuen Zeitalter der Unvernunft zu sein. Ein irregeführter und ignoranter kultureller Relativismus hat einen gleichermaßen irrtümlichen epistemologischen Relativismus umarmt. Es gibt eine Anzahl von Angriffen auf die Vernunft, und diese Angriffe haben zu der bizarren Situation geführt, wo schlechte und destruktive Ideen mit dem gleichen Respekt bedacht werden wie gute und konstruktive Ideen.

Religiöse Tyrannei ist wirklich eine schlechte Idee. Ich hatte gedacht, dass viele in Europa das verstanden hätten aus ihrer eigenen Geschichte heraus. Das Zeitalter der Vernunft erhob sich als Reaktion auf Jahrhunderte von religiöser Tyrannei. Die Dominanz der christlichen Kirche tauchte Europa in das Mittelalter (das dunkle Zeitalter). In der Raserei um die Eliminierung der Ketzerei zerstörte die Kirche auch einen beträchtlichen Anteil von naturwissenschaftlichem und technischem Wissen. Es brauchte Jahrhunderte, in einigen Fälle über ein Jahrtausend, um dieses Wissen wiederherzustellen. Die Griechen hatten die Theorie, dass die Erde eine Kugel ist und hatten genau ihren Umfang geschätzt. Die christliche Doktrin erklärte die Erde als flach. Was viele nicht wissen: Salafi-Kleriker in Saudi-Arabien haben bis in die frühen 1990er Jahre gelehrt, dass die Erde flach sei.

Die Griechen hatten auch die Theorie, dass die Menschen von den Tieren abstammen. In diesem neuen Zeitalter der Unvernunft haben christliche Fundamentalisten in den USA einen wachsenden Einfluss. Der neueste Exzess ist die Einmischung bei der NASA. Ein junger Angestellter und Bush-Anhänger in der Presseabteilung der NASA wurde dabei ertappt, wie er ältere Wissenschaftler anwies, was sie sagen sollten. Er drängte sie, über den Urknall als Theorie zu reden aufgrund des Druckes von Seiten der Designlobby des Geheimdienstes und er hatte versucht, Werte aus der Klimakontrolle zu zensieren.

Islamische Fundamentalisten üben den gleichen Druck auf ihre Naturwissenschaftler aus.

Es ist durchaus wichtig von einer Entwicklungsperspektive aus, dass sich die Vernunft gegenüber der Unvernunft abgesichert hat.

progressive muslimische Stimmen zu der karikaturen-kontroverse

Eines der verwirrenden Elemente dieses Problems ist es, dass progressive Muslime als Reaktionäre bezeichnet werden. Und zwar deshalb, weil sie gezwungen sind, einigen der geschätzten Annahmen der progressiven Westler zu widersprechen. Sie zeichnen ein Bild vom Islam, das unnachgiebig die Idee verwirft, der Islam sei eine Art von Opfer. Stattdessen zeigen sie auf zahlreiche Beispiele im Islam als einer aggressiven und regressiven religiösen Kraft, die ein Täter ist und nicht ein Opfer.

In einer der befremdlichen Wendungen in dieser traurigen Geschichte sehen sich einige dieser progressiven Muslime umarmt von konservativen Westlern. Muslime, die sich für Demokratie einsetzen, für Redefreiheit und Säkularismus, sehen sich nun als Konservative abgestempelt. Dies ist wiederum ein rüdes Beispiel von ´der Feind meines Feindes ist mein Freund´. Sie nehmen es auf sich, dass sie konservativ sein müssen, weil einige Konservative sie unterstützen.

Ibn Warraq ist das Pseudonym für einen abtrünnigen Muslim, der in Indien geboren wurde. Das Motto Ibn Warraq ist von muslimischen Dissidenten schon immer benützt worden. Ibn Warraq hat mehrere Bücher geschrieben, darunter ´Die Suche nach dem historischen Mohammed´ und ´Den Islam verlassen: Abtrünnige sprechen es aus´. Er war immer ein ernsthafter Kritiker der orientalistischen Theorie von Edward Said [3].

Zu der gegenwärtigen Kontroverse hat er gesagt:

Eine Demokratie kann nicht lange ohne Redefreiheit überleben, die Meinungsfreiheit, sich abzusetzen, sogar zu beleidigen und anzugreifen Es ist eine Freiheit, die schlimmerweise in der islamischen Welt fehlt, und ohne sie wird der Islam unangreifbar sein in seiner dogmatischen, fanatischen, mittelalterlichen Festung, verknöchert, totalitär und intolerant.
Sind wir im Westen dabei, klein beizugeben gegenüber dem Druck von Gesellschaften mit einem mittelalterlichen Gedankengut, oder werden wir unsere kostbarste Freiheit verteidigen – Redefreiheit, eine Freiheit, für die Tausende Menschen ihr Leben hingegeben haben ?
Wenn wir nicht etwas Solidarität, nicht beschämte, laute, öffentliche Solidarität mit den dänischen Karikaturisten zeigen, dann werden die Kräfte gewonnen haben, die versuchen, dem freien Westen eine totalitäre Ideologie aufzudrücken; die Islamisierung Europas wird dann ernstlich begonnen haben.

Eine andere progressive Stimme ist die der holländischen Abgeordneten Ayaan Hirsi Ali. Hirsi Ali wurde in Somalia geboren, wo sie eine fromme Muslimin wurde, und sie trat der muslimischen Bruderschaft bei. Sie verstand deren Weltsicht sehr genau. Sie erinnert sich, von der Salman Rushdie Affäre gehört zu haben und sie dachte, dass er getötet werden sollte. Ihre Eltern emigrierten nach Holland, um politischer Verfolgung zu entkommen. Hirsi Ali hat seitdem dem Islam abgeschworen und setzt sich dafür ein, muslimische Frauen vor Unterdrückung zu schützen. Sie wurde als Konservative abgestempelt, weil sie einige der Anmaßungen hinter dem Multikulturalismus in Frage stellte. Sie hat argumentiert, dass eine pluralistische Gesellschaft nicht Menschen in sich aufnehmen kann, die den Pluralismus nicht akzeptieren. Sie ist auch bekannt als Autorin des Films ´Submission´. Es war der Regisseur des Films, Theo van Gogh, der von einem radikalen Islamisten ermordet wurde, der erklärt hatte, dass er den Islam angegriffen habe. Es war dieser Mord, der zu einer wütenden Debatte über Einschüchterung geführt hat, die als eine ihrer Konsequenzen die Veröffentlichung dieser Karikaturen hatte.

Sie hat gesagt:

Wieder einmal ist der Westen dem Prinzip gefolgt, zuerst eine Wange hinzuhalten, dann die andere. Es ist tatsächlich schon eine Tradition. 1980 hat der britische private TV-Sender eine Dokumentation gesendet über die Steinigung einer saudi-arabischen Prinzessin, die angeblich Ehebruch begangen haben sollte. Die Regierung von Riad intervenierte, und die britische Regierung gab eine Entschuldigung heraus. Wir sahen die gleiche Kotau-Antwort 1987, als der (holländische Komiker) Rudi Carrell (den iranischen Revolutionsführer) Ayatollah Khomeini in einer Comedy-Sendung (die im deutschen Fernsehen gezeigt wurde) lächerlich machte. Im Jahre 2000 wurde ein Stück über die jüngste Ehefrau des Propheten Mohammed, mit dem Titel „Aisha“, abgesetzt, bevor es überhaupt in Rotterdam gezeigt wurde. Dann folgte der Mord an van Gogh und dann die Karikaturen. Wir entschuldigen uns ständig, und wir bemerken gar nicht, welchen Missbrauch wir treiben. Währenddessen gibt die andere Seite keinen Zentimeter nach.
Es sollte Solidarität da sein. Die Karikaturen sollten überall gezeigt werden. Schließlich können die Araber nicht Güter aus allen Ländern boykottieren. Sie sind sehr abhängig von Importen. Und skandinavische Gesellschaften sollten für ihre Verluste Ausgleich bekommen. Redefreiheit sollte uns wenigstens soviel wert sein.
In Europa und wo auch immer vergeht kein Tag, an dem radikale Imame nicht Hass in ihren Moscheen predigen. Sie nennen Christen und Juden geringwertig, und wir sagen, sie üben nur ihre Redefreiheit aus. Wann werden die Europäer bemerken, dass die Islamisten ihren Kritikern nicht das gleiche Recht zugestehen ? Nachdem der Westen sich gedemütigt hat, werden sie mehr als zufrieden sein und sagen, dass Allah die Ungläubigen rückgratslos gemacht hat.

Irshad Manji ist eine kanadische Muslimin und Lesbierin. Sie hat ein Buch geschrieben mit dem Titel ´Der Ärger mit dem Islam´. Sie leitet ebenfalls die Webseite www.muslim-refusenik.com.

Die arabischen Eliten mögen diese Kontroversen, denn sie verschaffen ihnen passende Gelegenheiten, den Frust von lokalen Ungerechtigkeiten wegzulenken. Kein Wunder, dass Emile Lahoud, Präsident des Libanon, darauf besteht, dass sein Land „keine Beleidigung irgendeiner Religion akzeptieren kann.“ Das ist ein gelungener Scherz. Seit den späten 1970er Jahren hat die libanesische Regierung der von der Hisbollah geführten TV Satellitenstation al-Manor die Lizenz erteilt, einer der bösartigsten anti-semitischen Radiostationen der Welt.
In ähnlicher Weise hat der Justizminister der Vereinigten Arabischen Emirate gesagt, dass die dänischen Karikaturen “kulturellen Terrorismus und nicht Rede-freiheit“ repräsentieren. Dies von einem Land, das sein Kapital als „Las Vegas vom Golf“ fördert, und blockiert dazu noch meine Webseite – muslin-refusenik.com – sie sei nämlich „nicht vereinbar mit den Werten“ der VAE. Vermutlich sollte meine Webseite ein Online-Casino sein.

die politik der einschüchterung

Die traurige Tatsache ist, dass das Gesuch, den Islam nicht zu beleidigen, Jahrzehnte lang benützt wurde, um berechtigte Kritik am Islam zu unterdrücken. Es geht hier nicht um einen Satz von banalen Karikaturen, sondern um die systematische Unterdrückung von freier Meinungsäußerung aus einer ernstlich deplazierten Bemerkung kultureller Sensibilität.

Diese deplazierte kulturelle Sensibilität kommt aus einem gleichermaßen deplazierten post-kolonialem Schuld-Syndrom, das sich auf falsche Bemerkungen eines kulturellen und epistemologischen Relativismus beruft. Schlechte Ideen sollten lächerlich gemacht werden. Schlechte Ideen sollten Widerstand begegnen müssen. Die zwölf Karikaturisten leben jetzt im Verborgenen und unter Polizeischutz. Das ist schlimm genug, doch es ist nichts im Vergleich zu der Art von Gewalt und Einschüchterung, die von Dissidenten und progressiven Künstlern, Schriftstellern und Intellektuellen innerhalb der islamischen Gesellschaften ertragen werden müssen.

Doch was können wir daran ändern ? Hier gibt es pragmatische Überlegungen, wenigstens zehn Muslime sind gestorben, als die Polizei versuchte, die Ordnung wiederherzustellen. Die Situation ist extrem unbeständig, und ich beschuldige niemanden dafür, dass er versucht, die Situation zu beruhigen. Unser Problem ist, dass die Extremisten genau vorbereitet sind zu töten und zu sterben, um ihre Idee vom Islam zu verteidigen.

Gibt es einen integralen Zauberstab, den wir schwingen können, um auf wunderbare Weise das Problem zu lösen ? Leider nicht. Die integrale Theorie erlaubt uns lediglich zu verstehen, dass es ein komplexes Thema ist. Es gibt keine leichten Antworten und keine monolithischen Lösungen.

Wir können damit beginnen, das Problem klar zu identifizieren und zu artikulieren. Ich hoffe, dass ich einen kleinen Schritt auf dieses Ziel zu unternommen habe. Es gibt eine Haltung des Ableugnens bei vielen Westlern. Die Erklärung der Schuldsichtweise ist, dass das Problem von Sachen abhängt, die wir getan haben und dass deshalb die Lösung von uns kommen muss. Doch dies ist nicht unser Fehler, und wir können nur wenig tun. Das Problem ist weitgehend ein internes Problem, das tief innerhalb des Islams liegt. Es handelt von einer Ideologie, die vor Jahrhunderten entschieden hat, alle fremden Ideen zurückzuweisen und an einer religiösen Lehre festzuhalten, die die einzig mögliche Wahrheit sei.

Nicht alle Muslime glauben daran. Es geht NICHT um den Islam gegen den Westen. Es geht um eine wortgläubige Ideologie, die weder Abweichung noch Abkehr akzeptieren kann, gegen Abweichung und Abkehr. Das beste, was wir tun können, ist jene Muslime und Nicht-Muslime innerhalb des Islams zu unterstützen, die sich abwenden und die nach Abweichung suchen. Wir können das tun, indem wir alles uns Mögliche über den Islam lesen und uns möglichst gut informieren. Die Abwehr gegen Lügen und Desinformation sind die Wahrheit und Tatsachen.

Ich meine, dass der größte Irrtum, den die Westler begangen haben, der ist, dass sie akzeptieren, was ihnen von konservativen Muslimen gesagt wurde. Wir müssen danach fragen, wer diese Sprecher sind und welcher Schulrichtung sie folgen. Wir müssen viel urteilsfähiger werden und lernen, über die Rhetorik hinaus zu lesen. Ich habe gehört, wie konservative muslimische Frauen geschickt feministische Argumente benützen, um das Tragen von konservativer islamischer Kleidung zu rechtfertigen. Wir müssen viel gerissener werden und ihnen direkt entgegnen. Es geht nicht um kulturelle Sensibilität. Es geht um schlechte Ideen, und wir müssen sie als schlechte Ideen bloßstellen.

Wir sehen die Rückkehr der Tyrannei der Religion. Wir müssen die Aufgabe der Aufklärung ein für alle Male erfüllen. Erst wenn die Aufklärung fest etabliert ist, können wir zu einer größeren Vision der Menschheit aufsteigen.

References

[1] Danish Imams Busted!, Neandernews.

[2] Mohammed Image Archive, Depictions of Mohammed Throughout History.

[3]Debunking Edward Said: Edward Said and the Saidists: or Third World Intellectual Terrorism by Ibn Warraq - Klicken Sie zum Lesen mit Ihrem Cursor an, wenn die Hintergrundfarbe dunkel ist.

Ray Harris, Feb, 2006