.. Sich seine Freunde und Feinde aussuchen, Ray Harris
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Ray Harris Ray Harris trägt häufig zu dieser Webseite bei. Er hat Artikel geschrieben über den 11.9., Boomeritis, den Irakkrieg und die Politik des Dritten Weges. Harris lebt in Australien und kann kontaktiert werden über:rharris6@bigpond.net.au. Ray hat über das Christentum geschrieben (siehe sein Essay”Das Christentum: Die Große Lüge") und den Islam (siehe: "Die vielen Gesichter des Islam", unter anderen in dem Reading Room). Ich habe Ray lange Zeit gebeten, etwas über seine Ansichten zum Nahost-Problem zu schreiben "Integrale Bemerkungen über den israelisch/arabischen Konflikt" war seine Antwort auf jene Bitte.

Sich seine Freunde
und Feinde aussuchen

Zweite Erwiderung auf Meyerhoff

Ray Harris

Ich habe keine Probleme mit der Debatte; es ist nur, dass die israelisch/palästinensische Debatte sich festfährt in ‚er sagte', ‚sie sagte'. Das ist in Ordnung: wir können diesen Pfad weitergehen. Meyerhoff kann seine Quellen zitieren, und ich kann meine Quellen zitieren, er kann meine schlecht machen und ich kann seine schlecht machen – wie du mir, so ich dir. Sehen Sie, ich sagte in meinem Originalartikel dass ein Merkmal dieser Debatte ein Streit über Geschichte war. Wer tat wann was und welches Gewicht sollte bestimmten Geschehnissen zugeteilt werden.

History, schmistory

[Historie, Schmistorie; ironisches Wortspiel;siehe Google; d.Übs.]

Meyerhoff legt beträchtliches Gewicht auf die Arbeit der Neuen Historiker und beschuldigt mich, eine ,triumfalistische' Position der 80er anzunehmen. Ist er sich ernsthaft bewusst, dass die Arbeit der Neuen Historiker nicht das letzte Wort über die israelische Geschichte ist? Tatsächlich gibt es eine andauernde Debatte zwischen den Neuen Historikern und ihren Kritikern. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen über diese Debatte, weil es offen gestanden mühselig ist und ich nicht die Zeit habe, wichtiger jedoch ist, dass die Parameter dieser Debatte einfach von jemandem erforscht werden können, der das Web durchforsten kann. Bloß als eine Übung tippte ich ‚Israels Neue Historiker' bei Google ein und der erste Eintrag war der Wikipedia Eintrag, der sagt:

,Die führenden Gelehrten in dieser Schule schließen Benny Morris, Ilan Pappé, Avi Shlaim und Tom Segev ein. Viele ihrer Schlussfolgerungen werden von anderen Gelehrten und israelischen Historikern angegriffen, die ihre Schlussfolgerungen und ihre Methodologie kritisieren und die Fehler in ihrer Forschung finden.'

Das Problem für Meyerhoff ist, dass er sich beträchtlich auf die Arbeit dieser Neuen Historiker beruft. Ich will nicht sagen, dass die Neuen Historiker keinen Beitrag geleistet hätten, es ist nur, dass es ein starkes Stück von Meyerhoff ist, mich zu beschuldigen, ich sei in der Zeit rückständig, solange er zu meinen scheint, dass die Neuen Historiker das ‚letzte' Wort seien.

Ich erwähnte in meiner Erwiderung die Kontroverse um Finkelstein. Das ist keine kleine Kontroverse. Es ist ein boshafter wie –du-mir-so-ich-dir-Machtkampf. Noch einmal: eine einfache Internetsuche wird die Parameter des Konflikts enthüllen. Um dann noch seine Abhängigkeit von kontroversen Quellen zu belegen, zitiert er Pappe, eine sogar noch kontroversere Gestalt, und wieder wird eine rasche Internetsuche die Parameter der Debatte enthüllen. Hier ist ein Beispiel für einiges an Anti-Pappe-Rhetorik:

„Der verhassteste Israeli in Israel'' – sicherlich ein unehrenhafter Spitzname – hat Ilan Pappes Ansehen als Star in amerikanischen College-Kreisen nicht ausgehöhlt, wo er meistens herzlich begrüßt wird. Der gewöhnliche Anteil von Said Gefolgsleuten, Chomsky Groupies und ein Spektrum von pro-palästinensischen Studenten-Organisationen sind beständig in seiner Zuhörerschaft gut vertreten. Der Vorsprung von resolut anti-israelischen Parteigängern ist nicht überraschend, bedenkt man Pappes Rolle als Israels prominentester eingefleischter Marxist.'

Es gereicht übrigens Israel zur Ehre, dass Pappe immer noch in Israel in seiner Kapazität als außerordentlicher Professor für Politik an der Universität Haifa lehren darf. Ich bin mir nicht sicher, ob ein entsprechender Akademiker in einem arabischen Land die gleiche Freiheit hätte, kritisch gegenüber seiner eigenen Regierung zu sein. Dennoch hat Pappe trotz seiner akademischen Freiheit den britischen Bannspruch gegen israelische Akademiker befürwortet.

Die Sache ist die, wenn man Meyerhoff wiederholt liest, dass man nicht umhin kann zu denken, dass er sich völlig ‚innerhalb' des Lagers von Said, Chomsky, Finkelstein und der Neuen Historiker befindet. Da ist an der Sache selbst nichts Falsches dran, doch um integral zu sein, muss man ‚alle' Gesichtspunkte berücksichtigen und gut der Kritik und Gegenkritik von Seiten jener besonderen Konstellation der Ansichten gewahr sein. Und darum möchte ich den Leser dringend bitten, der an dieser besonderen Debatte interessiert ist – seien Sie sich der Kontroverse bewusst und lesen Sie ‚beide' Seiten. Machen Sie nicht, was Meyerhoff zu machen scheint und glauben Sie nicht nur einem bestimmten Lager.

Natürlich hat Meyerhoff völlig Recht, wenn er sagt, wenn eine Person kontrovers ist, heißt das nicht, dass sie immer Unrecht hat. Wir können jenes Argument ausweiten und sagen, dass es nicht bedeutet, dass auch sie Unrecht hat, nur weil sich eine Person mit den Linken oder den Rechten identifiziert (Ich meine, ich hätte einen Artikel geschrieben mit dem Titel ‚Links, rechts oder bloß völlig falsch'). Das Problem ist allerdings, dass Meyerhoff bloß das Neue Historische Argument wiederholt. Lassen Sie uns zu der Zusammenfassung bei Wikipedia zurückkehren (klar, ich bin mir der Kritik von Wikipedia als einer zuverlässigen Quelle bewusst, doch das ist eine faire Zusammenfassung).

  • Die offizielle Version sagte, dass Britannien versuchte, die Errichtung eines jüdischen Staates zu verhindern; die „Neuen Historiker” behaupteten, dass es die Errichtung eines palästinensischen Staates zu verhindern suchte
  • Die offizielle Version sagte, dass die Palästinenser aus freien Stücken aus ihren Häusern geflohen seien; die „Neuen Historiker” sagten, dass die Flüchtlinge hinausgejagt oder vertrieben wurden
  • Die offizielle Version sagte, dass die Machtbalance zugunsten der Araber stand; die „Neuen Historiker” sagten, dass Israel sowohl beim Personal als auch bei den Waffen im Vorteil war
  • Die offizielle Version sagte, dass die Araber einen koordinierten Plan hatten, Israel zu zerstören; die „Neuen Historiker” sagten, dass die Araber nicht einig waren
  • Die offizielle Version sagte, dass die arabische Unnachgiebigkeit den Frieden verhinderte; die „Neuen Historiker“ sagten, dass Israel in erster Linie für den Stillstand zu beschuldigen sei.

Na, klingt etwas davon vertraut? Es sollte, weil Meyerhoff mich über viele dieser Punkte fragt, und wiederum akzeptiert er die Neuen Historiker als das letzte Wort.

Hier ist noch eine andere interessante Sache. Benny Morris, einer der führenden Neuen Historiker ist sehr kritisch mit einem anderen Vertrauten Meyerhoffs umgegangen, mit Norman Finkelstein. Wieder wird ein schnelles Suchen im Internet die Parameter dieser üblen Debatte aufdecken.

Um zu zeigen, wie weit Meyerhoff dem Finkelstein-Lager alles abkauft, zitiert er Finkelsteins Verurteilung von Joan Peters Buch Seit undenklichen Zeiten, als ob dies das Ende der Angelegenheit wäre. Nun, weit gefehlt. In The Case for Peace[Der Prozess für den Frieden]macht Alan Dershowitz einige ernsthafte Anspielungen. Er sagt:

,Die Chomsky-Finkelstein-Cockburn-Weise des Angriffs auf den Menschen erwies sich als erfolgreich gegen Peters, weil die Wörter ‚Schwindel', ‚Betrug', ‚Falsifikat' und ‚Plagiatentum' so dramatisch und unvergesslich sind, so wie die Anklage, dass Peters das Buch tatsächlich gar nicht geschrieben hat, sondern nur für eine Verfälschung nach dem Stil des KGB gezeichnet hat, ausgeheckt von ‚irgendeiner Geheimdienstagentur', vermutlich Mossad oder CIA…Es schien nicht von Bedeutung zu sein, dass keine dieser Beschuldigungen nicht einmal in die Nähe der Wahrheit kam. Alles, was Finkelstein gelang zu zeigen, war dass bei einer relativ kleinen Anzahl von Punkten Peters wohl einige Daten falsch interpretiert, Gegendarstellungen ignoriert und einige Funde überbewertet hat – übliche Probleme in der demografischen Forschung, die ebenso oft in anti-israelischen Büchern erscheinen, einschließlich denen von Chomsky.'(S.177)

Dershowitz stimmt nicht mit allen Schlussfolgerungen Peters überein, er akzeptiert jedoch, dass ihre Hauptthese ,dass nicht alle Flüchtlinge für Jahrhunderte dort gelebt hatten, was dann Israel wurde – das wurde von Beweisen gestützt und trug ein wichtiges Element zur Debatte bei.' (S.176). Es scheint, dass nicht jeder mit Meyerhoff übereinstimmt, dass ‚jenes Buch war schon lange als falsch und als ein Stück von irreführender, sogar betrügerischer Wissenschaft entlarvt worden.'

Wer hat Recht? Das ist nicht sicher, es ist eine andauernde Debatte. Ich weiß, wo ich mich zeitweilig niedergelassen habe und ich werde darauf zurückkommen.

Arabophobia

[Furcht vor den Arabern;d.Übs.]

Das tendenziöseste Argument, das Meyerhoff vorbringt, ist dass ich irgendwie anti-arabisch sei. Das ist ein empörendes, jedoch typisches Argument, von ‚jemandem' auf der Linken abgegeben, wenn man kritisch gegenüber dem Islam oder auch der arabischen Kultur ist, dann ist man irgendwie ein Rassist und hat Furcht vor dem Islam oder den Arabern. Was für ein Unsinn.

Lassen Sie uns schauen, wie er diese schmuddeligen Anschuldigungen aufbaut.

,Der Dunsthauch von Vorurteilen, der aus Harris' Arbeit herausweht, kommt teilweise von seinen manchmal aufgeregten, manchmal hochmütigen Hinweisen auf ‚die Araber', als wären sie alle die gleichen Menschen. Sind ‚diese Araber' die Perser vom Iran oder die multikulturelleren Araber aus dem Libanon?'

,Dunsthauch von Vorurteilen'? Der einzige Dunsthauch von etwas Faulem kommt von Meyerhoff, wenn er lächerliche Aussagen macht. Ich habe niemals behaupet, Araber wären Farsi sprechende Perser. Die Araber sind Menschen, die sich selbst als Araber identifizieren und die Arabisch sprechen. Das ist nun einmal Meyerhoff.

Nun zu den multikulturellen Arabern aus dem Libanon – multikulturell? Versuchen Sie mal: voller Splitterparteien und sektiererisch – als ob sich tatsächlich die gegenwärtigen Ereignisse im Libanon nicht als ein wackliger Waffenstillstand zwischen maronitischen Christen, Drusen, Sunniten und Schiiten erweisen würden. Der Nahe Osten ist ein eigenartiger Platz. Eine unserer Sendungen über die aktuellen Geschehnisse (Dateline, SBS) brachte einen Bericht über den Libanon heraus, der Interviews mit Sunniten zeigte, die die Schiiten beschuldigten, iranische Marionetten zu sein und die Schiiten, die die Sunniten beschuldigten, amerikanisch-israelische Marionetten zu sein. Die Sunniten sind amerikanische Marionetten? Eine sunnitische Frau, deren Sohn gerade in einer Schießerei zwischen Studenten rivalisierender Splittergruppen erschossen wurde, rief verbittert aus, ‚dass die Israelis sie alle(die Hisbollah) in die Luft sprengen und der Sache ein Ende bereiten sollten.' Der multikulturelle Libanon steht am Rand eines weiteren Bürgerkriegs.

Ich weiß sehr wohl, dass die ,arabische' Gesellschaft komplex und fazettenreich ist, dennoch hält das Araber nicht zurück, danach zu streben, ein Größeres Arabien zu schaffen, oder eine Art von panarabischem Staat. Panarabische Politik spielte eine große Rolle im palästinensischem Kampf. Einer der vielen Faktoren in dieser komplexen Sache ist, dass Hamas in Wahrheit eine panarabische sunnitische islamistische Partei ist, die auf der muslimischen Bruderschaft basiert. Sie sind nicht echte palästinensische Nationalisten und ihr Langzeitziel ist die Errichtung eines panarabischen Kalifats, in dem die palästinensische Identität in einer größeren sunnitischen Identität absorbiert wird. Ich empfehle Leuten, die Hamas-Charta zu lesen, wiederum verfügbar durch ein schnelles Suchen im Internet.

Ich bin froh darüber, dass Meyerhoff anerkennt, dass die Araber bunt gemischt sind und dass eines der Probleme, denen die Palästinenser in den ersten Tagen entgegensahen, war, dass Ägypten, Jordanien und Syrien alle palästinensisches Land begehrten. Heutzutage beansprucht Syrien die Golanhöhen, Ägypten beherrschte einst den Gazastreifen und Jordanien kontrollierte Ost-Jerusalem und annektierte einen weiten Landkorridor in der Westbank. Wenn die arabischen Armeen erfolgreich bei der Niederschlagung des aufkeimenden Staates Israel gewesen wären, hätten sie dann einen unabhängigen palästinensischen Staat (oder einen Satellitenstaat) gegründet?

Um dann noch die Dinge durcheinander zu bringen, spricht Meyerhoff über das osmanische Reich, während er nicht sorgfältig erklärt, dass es einen arabischen Widerstand gab gegenüber einem weitgehend nicht arabischen türkisch sprechenden Volk. Die gegenwärtigen Führer von Jordanien, Syrien, Saudi-Arabien (und den Golfstaaten) hatten ihren Ursprung in arabischer Stammes – und Sektierer-Politik. Als das osmanische Reich begann zusammenzubrechen und im Ersten Weltkrieg besiegt wurde, hätten arabische Bestrebungen schließlich verwirklicht werden können, doch was taten sie? Sie haben sich gegenseitig bekämpft, um die Kontrolle zu gewinnen, so sah es aus. Die Saud-Familie behauptete wieder ihre traditionelle Kontrolle, indem sie die al-Rashid angriff, die Riad regierten und die Haschemiten, die Mekka regierten. Ein oberflächliches Verständnis der arabischen Politik zeigt, dass die ‚königlichen' Familien Teil der arabischen Stammesstruktur sind und dass bisweilen rivalisierende Stämme/Clans und Familiengruppen versuchen, die dominierende Gruppe zu entmachten. Diese dominanten Gruppen bilden strategische Allianzen, um an der Macht zu bleiben – und wissen Sie was? Sollte eine rivalisierende Familie oder ein Clan erfolgreich die herrschende Gruppe entmachten, dann pflegen sie ebenfalls strategische Allianzen zu suchen. Das ist es, was jeder tut, besonders wenn man Waffen kaufen muss.

Wenn Meyerhoff meint, meine kritische Untersuchung der arabischen Politik begründe ein ‚Vorurteil', das trifft mich nicht. Mich deucht, er hat eine ‚romantische' Ansicht vom arabischen Volk als Opfer in der Geschichte, eher denn als Mitgestalter seines eigenen Schicksals. Und übrigens haben viele der königlichen Familien der Golfstaaten ihre Länder eine lange Zeit beherrscht als Teil des traditionellen Musters arabischer Stammespolitik. ‚Unterstützt' der Westen sie? Das lässt vermuten, dass sie fallen würden, wenn der Westen nicht ihr Öl kaufte – doch hier liegt der Hase im Pfeffer. Sie waren an der Macht ‚vor' dem Öl. Die Saud-Familie würde dennoch versucht haben, ihre Autorität über die al-Rashid und al-Hashemi wieder zu behaupten, mit oder ohne Öl.

Politik ist Politik und keine Seite ist ‚reiner' als die andere.

Muslimischer Antisemitismus

Man muss schon absichtlich blind sein, um nicht zu bemerken, dass die größe Quelle des Antisemitismus auf der Welt heutzutage die muslimische Welt ist, vom Kernland von Arabien bis zu den Ecken des islamischen Afrika, Zentralasien, Südostasien und den muslimischen Gemeinden innerhalb der nicht-muslimischen Länder.

Die Charta von Hamas, Artikel zweiunddreißig, macht dieses Statement:

,Der zionistische Plan ist grenzenlos. Nach Palästina streben die Zionisten danach, sich vom Nil bis zum Euphrat auszubreiten. Wenn sie das übernommene Gebiet verdaut haben werden, werden sie nach weiterer Ausdehnung streben und so weiter. Ihr Plan ist verkörpert in den ‚Protokollen der Ältesten von Zion', und ihr gegenwärtiges Vorgehen ist der beste Beweis für das, was wir sagen.'

Ich sage in meiner Erwiderung, dass Hamas eine faschistische Organisation sei. Hier legitimieren sie die betrügerischen ‚Protokolle'. Wie kann Meyerhoff den Wahlsieg einer politischen Partei akzeptieren, die auf paranoiden und verschwörerischen Geschichtstheorien basiert? Ich dachte, linke Progressive seien unerbittlich gegen Faschismus eingestellt? Und dennoch meint Meyerhoff immer noch, wir sollten Hamas anerkennen, weil sie demokratisch gewählt wurden.

Hier ist noch ein weiteres Zitat aus der Hamas-Charta, Artikel zweiundzwanzig.

,Sie standen hinter der französischen Revolution, der kommunistischen Revolution und den meisten Revolutionen, von denen wir hörten und hören, hier und dort. Mit ihrem Geld bildeten sie Geheimgesellschaften, wie die Freimaurer, Rotary-Clubs, Lions und andere in verschiedenen Teilen der Welt zum Zweck der Sabotage von Gesellschaften und um zionistische Ziele zu verfolgen. Mit ihrem Geld waren sie in der Lage, imperialistische Länder zu kontrollieren und sie anzustacheln, viele Länder zu kolonisieren, um sich selbst in die Lage zu bringen, ihre Ressourcen auszubeuten und Korruption dort zu verbreiten. ‚Man mag so viel wie man will über regionale und Weltkriege sprechen. Sie standen hinter dem Ersten Weltkrieg, als sie in der Lage waren, das islamische Kalifat zu zerschlagen und machten finanzielle Gewinne und kontrollierten Ressourcen. Sie erzielten die Balfour-Erklärung, bildeten den Völkerbund, durch den sie die Welt beherrschen konnten. Sie standen hinter dem Zweiten Weltkrieg, durch den sie durch den Waffenhandel riesige finanzielle Gewinne machten und pflasterten den Weg für die Einrichtung ihres Staates. Sie waren es, die die Ersetzung des Völkerbunds mit den Vereinten Nationen und dem Sicherheitsrat anstifteten, um sich in die Lage zu bringen, durch sie die Welt zu beherrschen. Es gibt keinen irgendwo stattfindenden Krieg, ohne dass sie ihre Hand im Spiel hätten'.

Klingt irgend etwas davon Meyerhoff vertraut? Muss ich daran erinnern, dass die Nazis an die Macht kamen, indem sie demokratische Methoden benützten? Jede politische Partei, die glaubt, dass die Rotarier Teil einer zionistischen Verschwörung seien, sind unfähig zu regieren und jeder, der für eine Partei abstimmt, die an solche wilden Verschwörungen glaubt, ist tadelnswert.

Das ist ein Hauptbeispiel für die moralische Verwirrung und Unachtsamkeit, die die progressive Seite der Politik hintergeht, damit sie die Entscheidung der Palästinenser befürwortet, für die Hamas zu stimmen. Die Palästinenser, die das getan haben, wissen sehr gut, wofür Hamas steht. Natürlich gab es Gründe dafür, dass sie dementsprechend gewählt haben. Es gab ebenso Gründe, weshalb die Deutschen Hitler unterstützten. Doch das macht es nicht rechtens.

Der muslimische Antisemitismus ist der Elefant im Zimmer, ein Elefant, der gerade eine großen Haufen stinkender Elefantenscheiße fallen gelassen hat. Es ist empörend, dass der Westen das ignoriert und noch versucht herabzusetzen, wie schlecht das ist.

Es gibt keinen Zweifel, dass der israelisch/palästinensische Konflikt die Situation schlimmer gemacht hat, aber die unsägliche Tatsache ist, dass der muslimische Antisemitismus dem Zionismus um etliche Jahrhunderte vorausgeht. Er geht tatsächlich zurück zu dem Glauben, dass die Juden von Medina Mohammed ‚verraten' hätten.

Nicht alle Muslime sind Antisemiten, noch alle Christen, es gibt jedoch einen Handlungsfaden von Antisemitismus innerhalb des Islam und der erhebt seinen hässlichen Kopf von Zeit zu Zeit.

Wir müssen anerkennen, dass ,einige' muslimische Gruppen durch ihr Misstrauen gegenüber Juden motiviert sind und einen Glauben, dass die Juden nur als eine untertänige Gruppe existieren können. Lassen Sie mich wieder die Hamas-Charta zitieren (Artikel einunddreißig).

,Unter dem Flügel des Islam ist es möglich für die Gläubigen der drei Religionen – Islam, Christentum und Judentum – in Frieden und ruhig mit einander zu koexistieren. Frieden und Ruhe wären nicht möglich außer unter dem Flügel des Islam.'

Das Schlüsselwort hier ist ,unter dem Flügel des Islam'. Beachten Sie die Arroganz der Bemerkung, dass Frieden nicht möglich wäre ,außer unter' dem Flügel des Islam. Dieses Gefühl basiert auf einer oft zitierten Passage des Koran (Sure 9:29).

,Bekämpft jene im Volk des Buches, die nicht an Gott und die Letzten Tage glauben, verbietet nicht, was Gott und Sein Prophet verboten haben und bekennt nicht die wahre Religion (Islam), solange sie nicht die Kopfsteuer (jizhia) pauschal zahlen und sich selbst als unterworfen fühlen.'

Das Schlüsselwort hier ist ,sich selbst als unterworfen fühlen'. Diese wenigen Worte sind die Basis der Dhimmi-Gesetze, die Meyerhoff vollständig ignoriert. Diese Passage ist am häufigsten so interpretiert worden, als meinte sie, dass Allah die Muslime anweist, gegen Christen und Juden zu kämpfen (das Volk des Buches), bis sie Tribut zahlen und ,unterworfen' sind. Ich kann nun nicht hervorheben, wie wichtig diese Passage ist für eine Gesamthaltung von gottgegebener Überlegenheit unter ,gewissen' Muslimen. Diese Passage ist die Ausrede, um eine besondere Steuer, genannt die ,Jizya' aufzuerlegen, die bei vielen Gelegenheiten in einer demütigenden Zeremonie übergeben wurde (manchmal mit einem zeremoniellen Schlag) und um eine Reihe von gleichermaßen demütigenden Dhimmi-Gestzen aufzuerlegen.

Ich betone hier, dass für eine Anzahl fundamentalistischer Muslime es undenkbar war, dass weder Christen oder Juden ,gleichwertig' seien, noch Muslime in irgendeiner Weise beherrschen sollten (in Thailand, Kaschmir, China oder auf einem anderen Brennpunkt).

Jetzt höre ich Meyerhoff sagen, dass diese Fundamentalisten eine Minderheit seien. Nun, stellt euch vor! Sie sind die gewählte palästinensische Regierung und eine mächtige politische Kraft, und ihre eigene Charta verurteilt sie.

Das Problem für Israel sind niemals gemäßigte, weltliche und liberale Palästinenser gewesen, sondern fundamentalistische muslimische Hardliner. Gemäßigte üben keine politische Gewalt aus. Lassen Sie uns noch einmal zu der Hamas-Charta zurückkehren, zum Artikel acht und dem Hamas-Slogan,

,Allah ist das Ziel, der Prophet ist das Vorbild, der Koran ist die Verfassung: Jihad ist der Pfad und der Tod Allah zuliebe ist der erhabenste der Wünsche.'

Ich glaube, dass ich gesagt habe, dass das wirkliche Thema für die Juden ist, dass es tatsächlich Menschen gibt, die hinter ihnen her sind. Es gab immer Muslime, die Juden misstrauen und die glauben, dass die Juden ein unterworfenes Volk sein müssen. Es gibt reichliche Beweise für einen tiefsitzenden Antisemitismus im Islam (als ob das Gehetze von Ahmadinejad nicht genügend Beweis wäre). Das Problem sind immer jene Muslime und Araber gewesen, die sich weigern, Israel existieren zu lassen und die fortfahren werden, Gewalt auszuüben, nicht aus nationalistischen Gründen, sondern aus religiösen Gründen.

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass dieser Antisemitismus ein kleines Problem ist, doch das ist er nicht. Wäre er ein kleines Problem, könnte er in Grenzen gehalten werden, doch sogar gemäßigte muslimische Herrscher haben Mühe, den ansteckenden Antisemitismus einzugrenzen, welche Chance hat da eine verwundbare, aufkeimende palästinensische Nation, auch wenn sie gute Absichten hat? Weil das die große Furcht ist, die Juden bei einem palästinensischen Staat haben, dass er nicht in der Lage sein wird, Gruppen wie Hamas zu stoppen und dass die Gewalt weitergeht, weil zu viele Muslime immer noch die komplette Zerstörung Israels wollen.

Meyerhoff erwähnt die UN-Resolutionen 242 und 338. Die Israelis haben immer argumentiert, so weit mir das bewusst ist, dass ein Teil dieser Resolutionen eine ,sichere' Grenze einschließen. Das bedeutet, dass die Palästinenser sicherstellen müssen, dass palästinensische Militante Israelis nicht angreifen. Doch das ist die eine Sache, die sie niemals in der Lage waren zu garantieren. Das ist keine kleine Sache. Warum sollte Israel sich zu den Grenzen von 1967 zurückziehen, wenn die Palästinenser selbst jene Gruppen nicht im Zaum halten können, die immer noch ganz Israel zerstören wollen? Und was unternehmen die Palästinenser, um die Befürchtungen der Israelis zu beruhigen? Warum wählen sie Hamas, die das erklärte Ziel haben, Israel zu zerstören?

Hier kommen wir in ein Argument von der Henne und dem Ei. Ihr zieht euch zu den Grenzen von 1967 zurück und wir werden die Gewalt beenden – nein, ihr beendet die Gewalt und wir werden uns zu den Grenzen von 1967 zurückziehen.

Sackgasse

Ich meine, viele westliche Progressive sind naiv und nehmen an, dass wenn Israel einen palästinensischen Staat zulässt und sich die ganze Strecke bis zu den Grenzen von 1967 zurückzieht, dann wird die Gewalt gegen Israel aufhören. Ich meine nicht, dass das passiert, noch sehe ich irgend einen vermutlichen Beweis, dass es passieren wird. Die Gewalt wird sich fortsetzen, solange arabische und muslimische Gruppen (wie Hamas) Israel vollständig zerstören wollen und bei ihrer verrückten, paranoiden Ideologie bleiben.

Ich stimme gewiss mit Meyerhoff überein, dass viele Palästinenser nicht den Großmufti Husseini unterstützten, vielleicht wenn sie ein Abzeichen oder eine Uniform getragen hätten, die identifizieren konnten, wer in der Menge das Gewehr trug. Das Problem für die Juden in den 20ern und 30ern war, dass sie nicht wussten, wer, wann oder wo die arabische Rebellion ausbrechen würde oder wie ernsthaft sie werden könnte. Wieder ist das Problem nicht der Zuschauer in der Menge, sondern die eine Person, die das Gewehr abfeuern würde.

Ich stimme mit Meyerhoff überein, dass die palästinensische Bevölkerung während des Krieges von 1948 terrorisiert wurde und dass die Zionisten sicherlich die Situation ausgenutzt haben, um die Palästinenser zu vertreiben. Doch auf welcher Seite standen denn die Palästinenser während des Krieges? Die Drusen von Israel sind die einzigen Nichtjuden, die für die Streikräfte zugelassen waren und deshalb haben die Drusen mit den Juden gegen die Araber gekämpft.

Doch wenn die Palästinenser im Krieg von 1948 vor den Juden fürchterliche Angst hatten, könnten dann nicht auch die Juden gleichermaßen in Furcht versetzt worden sein während der arabischen Rebellion? Ich habe bereits das Massaker von 1929 in Safed erwähnt, doch es gab sogar ein blutigeres Massaker in Hebron im gleichen Jahr. Etwa 67 Juden wurden während drei Tagen der Gewalt getötet, mit einer Bilanz, die auf Jerusalem zurückgeführt wurde. Am Vortag der Gewalt in Hebron starben drei Juden und drei Araber in Straßenkämpfen in Jerusalem.

Ich vertrete hier die Ansicht, dass die Araber mit der Gewalt anfingen und viele Juden waren in den Vierzigern sehr nervös und hielten zu den zionistischen Hardlinern (wie Ben Gurion). Dies muss im Kontext der brutalen Verfolgung von Juden in Europa verstanden werden. Das soll nicht die Exzesse der Zionisten entschuldigen, sondern sie innerhalb einer Kette von Ereignissen platzieren. Wenn die ansässigen Araber auf die exzessive jüdische Einwanderung reagierten, dann reagierten die Juden auf die sehr reale und tödliche Verfolgung. Die arabische Rebellion hat weiterhin Misstrauen und Hass eingepflanzt.

Pech, Jude!

Meyerhoff sagt etwas sehr Interessantes und Aufschlussreiches,

,…doch ich stehe nicht gut zu den Puritanern, die nach Amerika kamen oder jenen, die Australien besiedelten und in diesem Prozess die einheimische Bevölkerung getötet und vertrieben haben. Und wie die amerikanischen Indianer waren die Araber von Palästina bereit, mit den Fremden zusammenzuleben, solange sie durch ihre Anwesenheit nicht feindlich angegriffen wurden.'

Zuerst muss gesagt werden, dass das Hebron Massaker und die Safed Massaker vermuten lassen, dass eine bedeutende Anzahl von Arabern überhaupt nicht ,bereit' waren, mit den ,Fremden' zu leben. Es gab viele, die es natürlich waren und ebenso waren viele Juden freundlich von Natur aus (ich habe immer gesagt, dass die Mehrheit beider Bevölkerungen gut miteinander auskamen, es waren die Extremisten auf ,beiden' Seiten, die das nicht taten).

Der zweite Punkt jedoch und mein Haupteinwand gegen diese Bemerkung ist, dass es eine falsche Entsprechung ist. Die Juden sind nicht wie die Puritaner oder die Briten in Australien und die palästinensischen Araber sind nicht wie die eingeborenen Amerikaner oder Australier.

Alle historischen, archäologischen, genetischen und kulturellen Beweise zeigen eindeutig, dass die Juden standortheimisch in Palästina sind. Hier hat sich Meyerhoff der üblichen Taktik der Verleugnung des jüdischen Anspruchs auf Israel hingegeben und malt sie ab als fremde Eindringlinge, die die einheimischen Araber vertrieben.

Sogar die Muslime wissen das besser, weil der Koran sehr deutlich akzeptiert, dass Gott Israel den Juden gab. Der Koran akzeptiert Moses als Propheten. Mohammed hatte jedoch entschieden, dass die Juden ihren Bund mit Gott gebrochen hatten und beschuldigte sie einer Anzahl von Sünden wider den Geist.

,Wegen ihrer Ungerechtigkeit verboten Wir den Juden heilsame Sachen, die ihnen früher erlaubt waren; weil sie wieder und wieder andere vom Pfad Gottes ausgeschlossen haben; weil sie Wucher treiben – obschon es ihnen verboten wurde – und andere um deren Besitz betrügen.' (4:159=

Das ist nur ein Beispiel, wie der Koran die Juden angreift. Macht keinen Fehler; Mohammed stand im Wettbewerb mit dem Judentum. Er beanspruchte, der letzte der Propheten zu sein, doch wenigstens anerkannte er, dass die Juden eine Verbindung zu Israel hatten und nicht bloß ,Fremde' waren.

Meyerhoff sollte sich daran erinnern, dass der Islam nach Palästina durch Eroberung und widerrechtliche Aneignung kam. Es gibt ein Gesetz innerhalb des Islam, das besagt, dass Muslime keinen Krieg führen sollten, wenn er nicht der Verteidigung diente. Die unangenehme Tatsache für viele Muslime ist, dass die Eroberung des byzantinischen Gebiets von Jerusalem und Palästina ein aggressiver Akt imperialistischer Expansion war.

Hier würde ich gern eine wichtige Klarstellung anbringen. Sie haben wohl bemerkt, dass ich im Gebrauch des Wortes Araber zu Muslim übergesprungen bin. Die beiden sind nicht immer die selben, doch die Meisten in der arabischen Bevölkerung identifizieren sich als Muslime. Es ist wahr, dass einige Palästinenser weltliche Nationalisten sind, doch die Meisten identifizieren sich zuerst als Muslime und danach als Palästinenser. Wir haben bereits die Hamas-Charta diskutiert; sie gibt unweigerlich zu, dass ,der Koran ihre Verfassung ist.'

Das muslimische religiöse Argument ist, dass die Juden nicht länger das Recht haben, nach Israel zurückzukehren, weil sie (nach ihrer Meinung) unredlich geworden sind. Viele Muslime glauben, dass sie einfach Allahs Willen folgen, wenn sie die Juden bekämpfen.

,Sie sagen: ,,Unsere Herzen sind versiegelt.” Doch Gott hat sie verflucht wegen ihres Unglaubens.'(2:88)

Die Juden sind natürlich anderer Ansicht. Für sie war Mohammed ein falscher Prophet, ein Kultführer, der versuchte, ihre Religion zu übernehmen.

Durch eine zufällige Koinzidenz brachte die Samstagsausgabe meiner örtlichen Zeitung (The Age, A2, 3.März) eine Besprechung eines neuen Buches 'Rome & Jerusalem: The Clash of Ancient Civilizations' [Rom & Jerusalem: Der Zusammenprall antiker Zivilisationen] von Martin Goodman. In diesem Buch führt er detailliert die Ereignisse auf, die zum Massaker und zur Vertreibung der Juden durch die Römer geführt hatten. Goodman behauptet, dass dieses Szenario den späteren Antisemitismus in Szene gesetzt hat. Die besprechende Glyn Davis (Vizekanzlerin der Universität von Melbourne) sagt:

,Martin Goodman glaubt, dass die offizielle Feindschaft gegenüber den Juden, die der Zerstörung des Tempels folgte, ein Muster für die nachfolgenden Jahrtausende setzte. Juden konnten sich nicht länger im Reich sicher fühlen. Nach der weiteren Revolte in den Jahren 132-135 wurde sogar der Name Jerusalem aus den römischen Berichten und Landkarten gelöscht.'

Indem er die Juden mit ,Fremden' wie die Puritaner gleichsetzt, gibt er die langlebige Hoffnung der Juden auf, eines Tages in das gelobte Land zurückzukehren (wie es der Koran akzeptiert). Aus diesem Grund bezeichnen sich die Juden oft selbst nicht als Einwanderer sondern als Rückkehrer. Goodmans Buch erklärt, wie die Juden brutal aus Jerusalem vertrieben wurden. Sie gingen nicht freiwillig und es war eine schwere historische Ungerechtigkeit. Die arabischen Muslime kamen viel später und marschierten in das Vakuum ein mit imperialistischer Absicht. Es kann argumentiert werden, dass die Juden viel tiefere historische Wurzeln in der Region haben als die Neuankömmlinge.

Natürlich spielt das für den armen palästinensischen Araber keine Rolle, der in seinem Dorf über Generationen gelebt hat. Alles, was er weiß, ist dass das sein Haus ist und das ist eine Tragödie. Doch was Meyerhoff tatsächlich sagen will, ist dass das Recht des Residenten höher sei als das Recht eines früher enteigneten und verfolgten Volkes. Es ist tatsächlich das arabische Argument – Pech, Jude, du hast verloren.

Meine Ansicht ist, dass die Juden ein Recht haben, nach Israel ,zurückzukehren' ohne Einschränkung. Es ist unzweideutig erheblich bedeutend für sie. Sie haben das Recht, Land zu kaufen und eine Wirtschaft und soziale, religiöse und politische Organisationen aufzubauen. Hatten sie das Recht, einheimische Araber zu enteignen? Nein, und ich meine, dass ein Entschädigung fällig ist. Doch aus dem gleichen Grund glaube ich nicht, dass die Araber im Recht waren (oder sind), sich der jüdischen Rückkehr zu widersetzen – der jüdische Anspruch ist rechtmäßig und zwingend.

Übrigens ist das Vergleichen von Juden mit ,Fremden' ähnlich einem üblichen muslimischen Argument, dass die Ashkenazi oder europäischen Juden nicht wirklich Juden sind und dass die Zionisten wirklich nur eine Fassade für westliche imperialistische Bestrebungen im Nahen Osten sind.

Verdrängung

Ich bin froh, dass Meyerhoff mein Argument über den wirtschaftlichen Anstieg im Wesentlichen bewiesen hat. Er verschafft eine Anzahl von Zitaten, mit denen ich keine tiefe Nichtübereinstimmung habe. Ich werde jedoch bemerken, dass der allgemeine Vorstoß der Zitate so argumentieren soll, dass die Araber nicht so sehr wie die Juden an dem wirtschaftlichen Aufschwung profitiert haben. Nun, natürlich nicht. Er zitiert Rashid Khalidi, der zugibt, dass es eine verheerende Ungleichheit mit einer kolossalen 1,2% unterschiedlichen Wachstumsrate gab (4,8% für Juden und 3,6% für Araber). Wow, 1,2% - ich frage mich, was der Unterschied ist zwischen weißen Amerikanern und schwarzen oder Latino-Amerikanern, nur mal für den Anblick? Ich meine, dass 1,2% Differenz bei normalen Standards tatsächlich ein gutes Ergebnis ist, wenn man bedenkt, wie seine weiteren Zitate anzeigen, dass die arabische Bevölkerung weitgehend ländlich, ungebildet und unterentwickelt war. Das Zitat von Pappe sagt das alles, außer mit einer marxistischen Sympathie für die Bauern. Die Juden verbesserten die Landwirtschaft, kauften Land und Betriebe (die ,habgierige' Araber ihnen verkauften), was die 60% feudale ländliche Bevölkerung herausforderte. Für Pappe war das natürlich ein Desaster, doch andere mögen das als Fortschritt betrachten. Ich bin froh, dass Meyerhoff das Zitat von Simha Flapan bereitstellte,

,Die arabische Bevölkerung profitierte von den besseren Bedingungen bei sanitären Einrichtungen, Gesundheit, Bildung, Transport und anderen öffentlichen Diensten.'

Hmmm, eine 3,6%ige Wachstumsrate, Verbesserung der Zustände – und dennoch kann Meyerhoff immer noch nicht zugeben, dass dies dem jüdischen Investment zuzuschreiben war. Oh wirklich? Dann was denn zum Geier sonst?

Doch ich bin dabei, mit Meyerhoff übereinzustimmen, dass das Wachsen schnell und störend war und besser hätte gemanagt werden können, doch raten Sie mal. Dieser Typ von Verlagerung und Störung passiert auf der ganzen Welt, wo moderne Ökonomien auf ineffiziente ländliche Ökonomien treffen. In der Tat mögen einige Araber argumentieren, dass der Nahe Osten mehr Entwicklung benötigt. Doch was ist die Alternative? Keine Entwicklung überhaupt? Mir scheint es, als würde Meyerhoff argumentieren, um die Palästinenser in einem unterentwickelten, ländlichen Abstellgleis zu halten aus einer irgendwie marxistischen Sympathie für das Salz der Erde. Augenscheinlich war die ökonomische und unternehmerische Kreativität der Juden eine schlechte Sache.

Es gibt jedoch noch einen weiteren Faktor, um den Unterschied im Wachstum zu erklären. Es ist bloß parteiisch und ich möchte keineswegs andeuten, dass Araber nicht diskriminiert werden (sie werden es – wie ein neuerliches Urteil des israelischen Obersten Gerichts beweist), doch ein Teil des Unterschieds ist erklärbar durch das Fehlen von sowohl gutem Willen als auch der Fähigkeit, sich an neue Verhältnisse anzupassen. Alle Kulturen widerstreben dem Wechsel und unter Druck können sie tatsächlich ,Tradition' romantisieren und daran festhalten. Es gibt einen Punkt, an dem das bloß in Sturheit ausartet. Deshalb muss ich die Frage stellen, in welchem Ausmaß haben ,einige' Araber die Anpassung verweigert und haben sich ausgewählt, nicht daran teilzunehmen?

Was ist besser: eine ,Krise der Modernisierung' oder überhaupt keine Modernisierung?

Die Zukunft

Jetzt möchte ich zu meinem Hauptargument zurückkommen, dass Israel als eine entwickelte, progressive, liberale Demokratie eine Gelegenheit für die Araber ist und nicht eine Bedrohung – dass die Sicherheit und das Wachstum Israels der Region zum Fortschritt verhelfen wird, politisch, sozial, kulturell und ökonomisch. Oder um es anders auszudrücken: die Anwendung von politischer Gewalt gegenüber Israel ist reaktionär und regressiv und hindert Araber daran, sich fortzuentwickeln.

Ich bemerke mit einiger Genugtuung, dass Meyerhoff zustimmt, dass liberale Demokratien den monotheistischen Theokratien überlegen sind. Das ist ein guter Teil meines Arguments. Ich bin ebenso froh, dass er anerkennt, dass Israel ,innere' Freiheit besser ausführt als seine arabischen Nachbarn. Doch lassen Sie mich meinen Standpunkt ins Ziel bringen – die Neuen Historiker, die er so sehr bewundert, sind jüdisch (und Israelis) und viele seiner Zitate stammen von jüdischen Gelehrten. Das beweist bloß den Standpunkt. Trotz der gegen es erhobenen Kritik hat Israel eine beträchtliche Toleranz gegenüber der Abweichung.

Das ist etwas, was wertgeschätzt und beschützt werden sollte.

Doch vorerst lassen Sie mich sagen, dass Meyerhoff ernsthaft meine Position falsch interpretiert (klar festgestellt inmy articles on Islam). Ich stimme dem vollständig zu, dass vergangene islamische Gesellschaften relativ ,offen' gewesen sind. Es gab tatsächlich ein Goldenes Zeitalter des Islam, dass die griechische Philosophie und die ,ungläubige' Wissenschaft und Technologie umarmte. Es gibt einen Islam, der einbeziehend ist. Doch jener Islam bekämpft den anderen Islam in einer Art Bürgerkrieg und jener ,andere' Islam ist immer ko-existent gewesen, das geht zurück bis zur Rebellion der Charidschiten [eine der drei Hauptrichtungen des Islam; s. Google; d.Übs.] während der Zeit der Waffenbrüder. Leider wurde jener reaktionäre Islam dominant und wie zu viele Historiker bemerkt haben, wurden die ,Pforten des Ijtihad' (unabhängige Forschung) um das zehnte Jahrhundert herum geschlossen. Meyerhoff bringt eine Anzahl von Zitaten, die zeigen, dass es zwei Mythen über den Islam gibt, den Mythos von einem fanatischen und den Mythos von einem religionsübergreifenden Utopia. Ich stimme vollständig überein und verweise jeden auf meinen Artikel 'Der Mythos vom Islam als einer Religion des Friedens', wo ich die ,komplexe Darstellung' des Islam ausführe. Wie Sie sehen, stimme ich zu. Meyerhoff hat bloß einen Strohmann aufgebaut, und ließ mich anscheinend Sachen sagen, die ich niemals gesagt habe.

Die Frage ist, warum sie jetzt nicht offen sind? Das ist eine komplexe Frage, die einen ganzen weiteren Essay beansprucht, doch ich werde jetzt als eine Zusammenfassung zwei weite Gründe anführen. 1. Die Machteliten benützen Repression, um an der Macht zu bleiben. 2. Der Islamismus hat eine größere Anhängerschaft in muslimischen Gesellschaften als die Gemäßigten. Wieder verweise ich den Leser auf ,Der Mythos des Islam', wo ich ausführe, dass der konservative Islam signifikante Vormärsche gemacht hat und das Sharia-Gesetz mehr und mehr angewandt wird. Wenn die Gemäßigten Fortschritte machen würden, wäre das Gegenteil wahr.

Das kommt von der Verwirrung über die Definition des gemäßigten Islam. Gemäßigt ist nicht bloß weniger fanatisch. In ihrem Buch ,Londonistan' führt Melanie Phillips aus, dass der muslimische Rat von Britannien, das höchste islamische Komitee, vor kurzem alle Staatsschulen aufgerufen hat, ,un-islamische' Aktivitäten zu verwerfen, wie Tanzen und Ausflüge mit beiden Geschlechtern. Ich würde sie in keiner Weise gemäßigt nennen.

Nach meiner Ansicht ist ein Gemäßigter jemand, der Demokratie, die Menschenrechte und die Redefreiheit befürwortet, nicht jemand, der bloß eine extreme Position zu einer ein klein wenig weniger extremen ,modifiziert'. Leider scheint Meyerhoff in der Kategorie der ,linken Progressiven' zu stehen und nicht in der Lage zu sein, zwischen einem konservativen Muslimen und einem echten progressiven zu unterscheiden. Ich habe bereits darauf hingewiesen, wie er sich für Hamas entschuldigt, weil sie ,gewählt' worden sind.

Okay, ich bin eigentlich abgewichen – nun wieder zurück zu meinem Standpunkt. Die beste Hoffnung für einen progressiven Islam und ein solches Palästina ist die Unterstützung Israels gegenüber reaktionären arabischen Kräften und ihre Befürwortung von politischer Gewalt. Ich glaube, dass der Hauptgrund für Israels Druck auf die Palästinenser in erster Linie defensiv ist und nicht, wie viele vermuten, um die Palästinenser aggressiv zu unterjochen, damit sie das Land übernehmen können. Ich gebe zu, dass einige Zionisten Gewalt anwenden, um eine Landübernahme zu schaffen, doch da liegt der Hase im Pfeffer. Ohne die palästinensische Gewalt wäre die Unterdrückung nicht vertretbar, da gäbe es keinen Grund, die palästinensischen Gebiete zu besetzen. Arabische Gewalt hat immer den zionistischen Hardlinern die perfekte Ausrede verschafft. Die arabische Gewalt in den 20ern und 30ern erlaubte es den Zionisten, eine Armee zu schaffen. Die Kriege von 1948 und 1967 erlaubten es den zionistischen Hardlinern, mehr Land zu übernehmen. Der Gebrauch politischer Gewalt durch die PLO in den 60ern und 70ern gab den Zionisten eine weitere Ausrede, so wie es die neuerlichen Intifadas, Wellen von Selbstmordattentaten und Raketenbeschüssen taten. Natürlich müssen sich die Israelis verteidigen. Wie ich früher sagte, gibt es da wirklich Menschen, die sie töten wollen.

Politische Gewalt hat den Arabern nie einen Vorteil gebracht. Sie hat bloß immer ihre Lage verschlimmert. Ich glaube, dass Israel die Schaffung eines palästinensischen Staates zulassen würde, wenn die die Gewalt aufgeben würden. Meyerhoff argumentiert, dass die Menschenrechts-Verletzungen in den palästinensischen Gebieten die schlimmsten Verletzungen in den muslimischen Gesellschaften überstiegen. Er hat Recht. Die Lage ist schlimm. Doch was er außer Acht lässt, ist die Tatsache, dass die palästinensische Bevölkerung eine feindliche Bevölkerung ist. Wieder ist das ein Argument von der Henne und dem Ei. Was verursachte die Gewalt? Die Besatzung? Oder gibt es die Besatzung wegen der Gewalt? Ich bin der letzteren Ansicht, weil weil es eine Geschichte der Gewalt gegen Juden in Palästina seit der arabischen Rebellion der 20er und 30er bis zum Krieg von 1948 gibt und bis zur gegenwärtigen Aggression von der Hisbollah im Libanon, Hamas im Gazastreifen und verschiedenen weiteren Parteien und Gruppen, die sich der Gewalt als Lösung hingeben. Es ist nicht die Lösung; es ist das verdammte Problem. Und offen gestanden: jeder so genannte Progressive, der die von den Palästinensern ausgeübte Gewalt rechtfertigt, ist ein Reaktionär.

Hier ist eine überwältigende Tatsache. Israel und Palästina können niemals zwei getrennte Staaten sein. Die Idee einer Zwei-Staaten-Lösung ist so etwas wie eine Illusion. Warum? Weil Palästina immer ökonomisch an Israel gebunden war und es immer sein wird, tatsächlich von Israel ökonomisch abhängig.

Sogar wenn den Palästinensern alles gegeben würde, was sie haben wollen und ein getrennter palästinensischer Staat morgen gebildet würde, wäre er immer noch ökonomisch an Israel gebunden. Nach der Wahl von Hamas beschnitten Israel und viele westliche Länder die Hilfe und wirtschaftliche Verbindungen mit der palästinensischen Regierung. Das hat eine beträchtliche Notlage geschaffen und zeigte genau, wie abhängig die Palästinenser von Israel und westlichem Kapital sind. Tausende von Palästinensern kamen nach Israel herüber, um zu arbeiten. Palästinensische Gesellschaften kaufen und verkaufen bei israelischen Gesellschaften und das würde andauern, wenn es einen getrennten palästinensischen Staat gäbe.

Lassen Sie mich in der Tat eine Vorhersage machen. Wenn es eine friedliche Lösung und einen palästinensischen Staat gäbe, würde es einen Strom an Investitionen aus Israel und dem Westen geben. Es ist im Interesse Israels, ein sicheres, wohlhabendes und stabiles Palästina zu haben. Es ist für niemanden von Interesse (außer für radikale Islamisten), einen versagenden Staat zu haben.

Das ist die Schubkraft meines Arguments. Progressive sollten Israel unterstützen, weil ein sicheres und wohlhabendes Israel die Schaffung eines sicheren, progressiven und wohlhabenden Palästinas besser fördern könnte. Eine Gewinn-Gewinn-Situation für die progressive Agenda.

Indem man Entschuldigungen für Hamas und Rationalisierungen der palästinensischen Gewalt macht, verewigt man bloß den Kreis der Gewalt und das ist destruktiv für die progressive Agenda.

Das bedeutet nicht, dass man nicht die Politik der israelischen Regierung kritisieren kann, doch das heißt wirklich, dass man vorsichtig bei der Unterstützung von reaktionären Palästinensern sein sollte.

Viele Progressive meinen, dass man bei der Unterstützung Israels letztendlich bei der Befürwortung der zionistischen Hardliner endet. Ich würde anders argumentieren, dass man mit der Unterstützung Israels die zionistischen Hardliner ihrer Hauptwaffe beraubt: Furcht. Das ist der absolute Wahnsinn des Arguments ,des gewaltsamen Widerstands', dass es letztendlich Israels Furcht verstärkt und damit die zionistischen Hardliner. Wenn die Israelis sich sicher fühlen, dann erwarte ich von ihnen, dass sie sogar noch progressiver und großzügiger gegenüber ihren Nachbarn werden.

PS – es gibt viele Punkte in Meyerhoffs Erwiderung, die ich nicht angesprochen habe. Diese Erwiderung ist vielleicht so schon zu lang, deshalb müssen diese Punkte noch warten.

Anhang: Erwiderung auf Meyerhoff, Teil 2

Ray Harris, February 2007